Archiv für Mai 2010

Siri Hustvedt – The sorrows of an American

Eine lange Krankheit führt zu einem traumähnlichen Zustand, in dem Phantasien und Erinnerungen am Kranken vorüberziehen, heißt es in Schlinks „Der Vorleser“.
Siri Hustvedt beschreibt in ihrem Roman „The sorrows of an American“ (2008) auch solch einen Zustand, aber der Protagonist Eric ist nicht krank, sondern trauert.
Im ersten Jahr nach dem Tod seines Vaters fühlt sich der New Yorker Psychoanalytiker noch einsamer, als er es nach der Trennung von seiner Frau eh schon war. Nur zu seiner Schwester, der Schriftstellerin und Philosophin Inga und ihrer Teenie-Tochter Sonia hat er eine innige Beziehung. Als Eric die Memoiren und Briefe seines norwegischen Vaters liest, entdeckt er einen geheimnisvollen Brief, aus dem hervorgeht, dass dieser in einen Todesfall verwickelt war. Inga und Eric schließen sich zusammen, um der Sache auf die Spur zu kommen und befragen Verwandte. Eric geht die Tagebücher seines Vaters auf der Suche nach einem Schlüssel durch und Hustvedt lässt den Leser daran teilhaben: Ein Handlungsstrang des Romans besteht aus Tagebuchpassagen, die übrigens original von Hustvedts verstorbenem Vater stammen.
Eric beschäftigt aber auch die Jamaikanerin Miranda, die mit ihrer kleinen Tocher Eglantine in sein Haus gezogen ist. Er verliebt sich in die schöne und unnahbare Illustratorin und freundet sich mit der quirligen Eggie an. Umso mehr trifft ihn, dass anscheinend jemand die beiden stalkt.
Außerdem wird Inga von einer Journalistin verfolgt, die auf ein Geheimnis aus dem Leben ihres verstorbenen Mannes, des berühmten Schriftstellers Max, aus ist.

„The sorrows of an American“ ist ein leiser Roman. Er ist aus der sehr bewussten, reflektierten und unaufgeregten Perspektive des Psychoanalytikers Erik geschrieben. Berufsbedingt ist dieser zu tiefer Introspektion fähig und das hat auf die Leserin/ den Leser eine interessante Wirkung: Obwohl hier aus Ich-Perspektive erzählt wird, hatte ich immer den Eindruck, eine Geschichte in dritter Person zu lesen. So ist der Erzählstil eine gelungene Mischung aus Einfühlung und distanzierter Beobachtung.
Aber auch Eriks Introspektion ist nicht allumfassend und für die Leser bleibt noch genug zwischen den Zeilen herauszulesen. Als er in den Memoiren seines Vaters die Stelle liest, an der dieser den viel zu netten und großzügigen Großvater beschreibt, denkt Eric darüber nach, dass der Vater sich nicht bewusst war, dass er eigentlich sich selbst beschrieben hat. Ich dachte als Leserin, dass Eric sich aber auch nicht bewusst war, dass er eine Beschreibung von sich selbst las. Für mich war das eine der berührendsten Stellen im Roman.
Nebenbei fand ich die Details aus Erics Arbeitsalltag interessant. Beispielsweise werden die Mechanismen von Übertragung und vor allem Gegenübertragung sehr anschaulich dargestellt. Die Beschreibungen der Sessions mit Erics Patienten nehmen einen recht großen Platz im Roman ein. Durch sein Bewusstsein für die bei ihm durch Patienten ausgelösten Emotionen (Gegenübertragung) durchzieht den Roman die Erkenntnis: Der Übergang von psychischer Gesundheit zu psychischer Krankheit ist fließend und wir alle sind mehr oder weniger gestört. In „The sorrows of an American“ hat jede Figur ihre Gespenster und Geister unterm Bett. Das gefiel mir.
Es war spürbar, dass Siri Hustvedt sich sehr umfassend mit Psychologie, Psychotherapie und Neurologie beschäftigt hat; wie auch schon in „Was ich liebte“ nehmen diese Themen einen großen Raum ein. Deshalb sollte man sich schon ein bisschen dafür interessieren, um den Roman zu mögen.
Auch wenn man eher klassischen Spannungsaufbau mag, wird man sich vielleicht mit „The sorrows of an American“ schwertun. Die Geschichte fließt ruhig und unaufgeregt dahin und doch fand ich sie unheimlich spannend, denn es gibt immer wieder Momente, die auf einen Höhepunkt hindeuten könnten. Kleine unheimliche Momente. Wenn dieser immer wieder ausbleibt, wird die Atmosphäre umso gespannter.
So ging es mir beim Lesen ständig. Es war als würden sich immer mehr dunkle Wolken ballen und doch ging das Gewitter an mir vorüber.
Zudem hatte ich „Was ich liebte“ im Kopf. Da plätscherte die Handlung dahin, die Protagonisten wurden zu immer besseren Bekannten und als man es am wenigsten erwartete, schlug das Schicksal b.z.w. die Schriftstellerin zu. So war ich auch hier beim Lesen ständig auf der Hut. Als sich alle Wolken aufgelöst hatten und ich mich entspannte, gab es doch noch einen überraschenden Knall. Aber hier war die Autorin doch gnädiger als bei „Was ich liebte“. Das fand ich richtig und passend. Das Buch handelt schließlich von einem besonderem Jahr, das von Eric und Inga rückblickend „a year full of secrets“ genannt wird. Das Jahr ging vorüber, auch wenn es Spuren hinterlassen hatte und ihr Alltag normalisierte sich langsam,aber sicher – wie nach einer langen Krankheit.

Ich kann „The sorrows of an American“ sehr empfehlen, auch wenn ich „Was ich liebte“ noch viel spannender und gewaltiger fand.
Aber dieser Roman hat seine eigenen Stärken. Eine, die ich noch nicht erwähnt habe, ist die innige Geschwisterbeziehung zwischen Inga und Eric, die ihnen Trost spendet und Halt gibt. Auch ich als Leserin fühlte mich bei den unheimlicheren Passagen irgendwie davon beruhigt.
Wenn Inga und Erik sich etwas wehmütig an die Spiele aus ihrer Kindheit erinnerten, z.B. an den Ritter, der die Prinzessin befreit, musste ich immer wieder an Ingeborg Bachmanns wunderschönes Gedicht „das Spiel ist aus“ denken. Jetzt habe ich dazu endlich die passende Geschichte im Kopf.


Mein lieber Bruder, wann bauen wir uns ein Floß
und fahren den Himmel hinunter?
Mein lieber Bruder; bald ist die Fracht zu groß
und wir gehen unter

Mein lieber Bruder; wir zeichnen aufs Papier,
viele Länder und Schienen.
Gib acht, vor den schwarzen Linien hier
fliegst du hoch mit den Minen.

Mein lieber Bruder, dann will ich an den Pfahl
gebunden sein und schreien.
Doch du reitest schon aus dem Totental
und wir fliehen zu zweien.

Wach im Zigeunerlager und wach im Wüstenzelt,
es rinnt uns der Sand aus den Haaren,
dein und mein Alter und das Alter der Welt
mißt man nicht mit den Jahren.

Laß dich von listigen Raben, von klebriger Spinnenhand
und der Feder im Strauch nicht betrügen,
iß und trink auch nicht im Schlaraffenland,
es schäumt Schein in den Pfannen und Krügen.

Nur wer an der goldenen Brücke für die Karfunkelfee
das Wort noch weiß, hat gewonnen.
Ich muß dir Sagen, es ist mit dem letzten Schnee
im Garten zerronnen.

Von vielen, vielen Steinen sind unsre Füße so wund.
Einer heilt. Mit dem wollen wir springen,
bis der Kinderkönig, mit dem Schlüssel zu seinem Reich im
Mund,
uns holt, und wir werden Singen:

Es ist eine schöne Zeit, wenn der Dattelkern keimt!
Jeder, der fällt, hat Flügel.
Roter Fingerhut ist’s, der den Armen das Leichentuch
säumt,
und dein Herzblatt sinkt auf mein Siegel.

Wir müssen schlafen gehn, Liebster, das Spiel ist aus.
Auf Zehenspitzen. Die weißen Hemden bauschen.
Vater und Mutter sagen, es geistert im Haus,
wenn wir den Atem tauschen.

Frozen Yogurt in Köln!

Es ist endlich wärmer und somit endgültig Eiszeit! (Wobei ich mir 1. nicht sicher bin, ob es diesmal wirklich warm bleibt und 2. für mich immer Eiszeit ist.)
Wie auch immer – Es geht hier auch gar nicht um Eis, sondern um etwas viel Köstlicheres: FROZEN YOGURT

In Köln hat vor kurzem der erste Frozen Yogurt Shop eröffnet – Foxberry frozen Yogurt in der Kettengasse 4 (Nähe Ehrenstraße).
Ich wollte eigentlich mit einer Freundin im Eiscafe Breda am Rudolfplatz Eis essen gehen, doch sie schleppte mich zu Foxberry, was sich als eine sehr gute Idee herausstellte.
Der Laden ist sehr schön eingerichtet – schlicht, elegant und trotzdem klein und gemütlich. Auch von der Einrichtung her eine super Alternative zum 80-er Jahre – Stil von herkömmlichen Eiscafes.
Wir wurden total nett empfangen und bekamen Probebecher Frozen Yogurt, die ganz schön groß für Probierportionen waren. Selbst mein Baby bekam einen angeboten.
Wir probierten – Der Frozen Yogurt hatte das Aussehen und die Konsistenz von Softeis, schmeckte aber nach Naturjoghurt . Uns wurde erklärt, dass Frozen Yogurt diese Konsistenz durch natürliche Verdickungsmittel erhält. Wir waren begeistert von dem erfrischendem Joghurteis und bestellten eine richtige Portion. Dazu konnten wir von 16 Toppings auswählen. Es gab rote Grütze, Schokostreusel, frische Erdbeeren, Mango und und und… aber als ich die großen und knackigen Blaubeeren sah,wusste ich, was ich wollte. Für zusätzliche 40 Cent bestellte ich Käsekuchenstückchen als zweites Topping. Die Kombination war umwerfend, von daher setzten wir uns auf die gemütliche Bank und der Kellner erzählte uns, dass er und seine Mitarbeiter auf einer USA-Reise auf die Idee gekommen waren, einen Frozen Yogurt-Shop in Köln zu eröffnen, denn in den USA ist Frozen Yogurt genauso verbreitet wie normales Eis.
Sehr gute Idee!! Ich habe jetzt ständig Frozen Yogurt-Phantasien, denn der säuerliche Joghurtgeschmack und die süßen und/oder frischen Toppings ergeben eine so leckere und so erfrischende Kombination.
Allerdings muss ich sagen, dass ich sowieso Joghurteis liebe. Wer keinen Joghurtgeschmack mag, wird vielleicht Frozen Yogurt auch nicht lecker finden. Oder aber doch – bei den vielen unterschiedlichen Toppings! Einen Versuch ist es allemal wert.
Ich werde diesen Sommer jedenfalls noch oft zur Kettengasse pilgern – ob bei gutem oder schlechtem Wetter! Wenn es warm wird, ist Frozen Yogurt erfrischender als Eis. Und wenn es kalt wird – dann kann eine Portion Frozen Yogurt immerhin darüber hinwegtrösten!

Foxberry Frozen Yogurt
Kettengasse 4
50672 Köln
Öffnungszeiten:
Mo – Sa. 11 – 21 Uhr

http://www.facebook.com/pages/Foxberry-Frozen-Yogurt/114856148527282

Zeitschriften

Die Stapel auf meinem Schreibtisch werden immer höher – das liegt unter anderem an meiner Zeitschriftensucht.
Außer den abonnierten „Missy Magazine“ (Popkultur aus feministischer Sicht) und „Eltern“(Zeitschrift für Eltern) türmen sich da jeden Monat die neue „Maxi“ ( Popkultur nicht aus feministischer Sicht, aber trotzdem gut) , „Nido“ (COOLE Zeitschrift für COOLE Eltern, aber trotzdem gut), die kostenlose Kölner Kinozeitschrift „Choices“, ab und zu der „Spiegel“, „Zeit Campus“, „Schnitt“ (Filme) oder „Die Zeit“, die ja leider keine Zeitschrift, sondern eine sperrige Zeitung ist und deswegen am meisten zu der Unordnung beiträgt.
Dann noch die ganzen kostenlosen Zeitschriften, die so verlockend überall ausliegen – Intro, Uncle Sallys, Kidsgo, Unicum, Känguru, Kölner…
Oh je. Wenn ich das jetzt so aufschreibe – ich sollte ausmisten.

Dabei liebe ich Magazine. Die Vorfreude auf die neue Ausgabe. Dann die Überraschung, sie zwischen Rechnungen und Werbung im Briefkasten zu finden. Beim Überfliegen genieße ich, alles noch vor mir zu haben. Ich fange mit meinen Lieblingsrubriken an, lese Neues von meinen Lieblingskolumnisten, dann natürlich das Titelthema. Wenn alles gelesen ist, schaue ich mir die „Vorschau“-Seite an. Und freue mich auf die nächte Ausgabe.
Fast jede Zeitschrift hat auch eine Onlineversion, einige mussten ihre Printversion einstellen. Da gibt es aber kein Blättern und keine Vorfreude. Es wäre traurig, wenn es irgendwann keine Zeitschriften mehr geben sollte. Früher kaufte man sich vor Zugfahrten oder Flügen die obligatorische Zeitschrift, um sich die Zeit zu vertreiben. Jetzt greifen die meisten zum Laptop.
Dabei hat der Zeitschriftenmarkt einiges zu bieten.
Meine Lieblingszeitschriften werde ich in den nächsten Blogeintragen vorstellen und auch immer wieder über neue Ausgaben berichten.

Meine erste Zeitschrift wurde extra für mich herausgegeben. Eines Tages, ich war etwa 5, gab es auch für mich Post im Briefkasten. Meine Eltern sagten, sie wüssten nicht, woher das Heftchen käme, aber es hatte, auch schon für mich damals unverkennbar, die Handschrift meiner Mutter. Es gab Rubriken wie „Als Papa klein war“ und „Als Mama klein war“ mit illustrierten Anekdoten, die ich so gerne hörte, sowie natürlich Rätsel, Witze und eine Fortsetzungsgeschichte. Ich bekam noch 2 oder 3 Ausgaben und habe sie geliebt. Vielleicht fing da meine Zeitschriftensucht an.
Später las ich dann „Minnie-Maus“, wobei ich zum ersten Mal mit Popkultur in Berührung kam (Blümchen, Tic Tac Toe), und in der es tolle Extras wie Glitzerspängchen gab. Donald Duck- und Mickimaus-Comics habe ich eh geliebt, aber Minnie-Maus war doch extra für Mädchen! Die „Wendy“ las ich auch regelmäßig, obwohl ich kein Pferdefan war, aber ich mochte die Comics über das Reiterhof-Mädchen.
Mein großer Bruder hatte ein Abo von „Spick“, einer Schweizer Kinder- und Jugendzeitschrift (www.spick.ch). Die habe ich auch immer mitgelesen. Das ist die einzige richtig gute, mir bekannte, Jugendzeitschrift und ein Mix aus Wissenswertem/Blidung und Umfragen über Liebeskummer. Als ich in die Pubertät kam, habe ich mich von „Spick“ ein Stück weit begleitet gefühlt.
Vielleicht ist dieser Begleitcharakter das Besondere an dem Medium Zeitschrift – mit ihren gleichbleibenden Rubriken bietet sie etwas Regelmäßigkeit und Geborgenheit im stressigen oder chaotischen Alltag – auch ein bisschen für uns Erwachsene.
Vor allem für Kinder und Jugendliche. Sie brauchen Zeitschriften. Das sieht man daran, wie wichtig vielen Teenies ihre erste „Bravo“ oder „Girl“ ist. Für mich war es mit 14-15 Jahren die „Young Miss“, die es leider nur noch online gibt (www.bym.de). „Young Miss“ war für mich wie eine große Schwester, die mir über Jungs, Musik oder gute Cafes berichtet hat. Im Gegensatz zu „Girl“ & Co war das eine eher alternative Zeitschrift, die gute Musik und Filme vorstellte; da las ich auch zum ersten Mal z.B. über Taize. (www.taize.fr). Die (sehr gute) Schriftstellerin Alexa Henning von Lange führte die langen und besonderen Promi-Interviews.

Ich würde auch gerne mal so eine Zeitschrift herausgeben, aber für Mädchen und Jungen. Gute Jugendzeitschriften fehlen vollkommen auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt. Seit kurzem gibt es „Dein Spiegel“. Für die Bildung ist das zwar super, erfüllt aber nicht die „Große Schwester/ Großer Bruder-Funktion“. Das tun wiederum „Bravo“ und „Girl“, aber ich finde es fragwürdig, was diese großen Geschwister so raten.
Soviel zu Kinder – und Jugendzeitschriften.
Jetzt gehe ich erstmal meinen Schreibtisch aufräumen. Unicum und Kidsgo kommen weg, Missy und Nido werden endlich sortiert und in Ordner geräumt. Nächstes Mal werde ich schreiben, warum ich sie behalte.

Willkommen beim Puddingteilchen

Willkommen in meinem Blog!
Beim Puddingteilchen wird es zum einen um alles gehen, was für mich das Leben schöner macht und was ich mit euch teilen will – Filme, Bücher, Musik, Orte, Cafes, Zeitschriften, Gedichte, Serien, Eissorten, Schmuckläden, Sushirezepte, Kinos.
Ich freue mich über Kommentare – Schreibt, was Ihr über meine Lieblinge denkt oder wenn Ihr auch was zu empfehlen habt. Oder von einer Sache dringend abraten wollt.

Ich werde aber auch über Themen schreiben, die mich aufregen oder wütend machen und die ich ebenso mit Euch teilen und diskutieren will – zB die ausländer- und armenfeindliche Stimmung in Deutschland, die noch mangelhafte Gleichstellung von Mann und Frau, Bildungspolitik.
Da gibt es Einiges.

Ansonsten – mal sehen, wie sich der Blog entwickelt.
Viel Spaß damit!