Archiv für Dezember 2012

‚Lange Reise durch die Nacht‘

Ich war letztens in „Lange Reise durch die Nacht“ von Friederike Mayröcker, inszeniert von Katie Mitchell in der Halle Kalk. Ich war beeindruckt. Die SchauspielerInnen spielten innerhalb eines nachgebauten Zugwaggons und wurden live gefilmt. Die Nahaufnahmen sahen wir Zuschauer also auf Leinwand, WÄHREND Silhouetten der Schauspielerinnen durch Zugfenster zu sehen waren. Das war beeindruckend von den Kameraleuten realisiert. Sie liefen in das jeweilige Abteil, in dem gerade gespielt wurde und wir bekamen Nahaufnahmen zu sehen, die es sonst nur im Film gibt. Während der Sexszene sah man durchs Zugfenster mal einen Arm, mal einen Rücken. Oben auf der Leinwand bekam man schon mehr zu sehen.. Vor allem den Gesichtsausdruck der grandiosen Julia Wieninger. Dann der torkelnde Gang durch den Flur des Waggons – wie im Film. Meine Lieblingsszene: Die Protagonistin steckt ihren Kopf aus dem offenen Zugfenster – zum ersten Mal sehen wir ihr Gesicht auf der Bühne ohne Leinwand – und das Rauschen des Zuges ist ohrenbetäubend laut. Plötzlich hört es auf, die Frau ist wieder im Zug. Wieder Blick durch die Kameras auf die Leinwand – der Schaffner hatte sie wieder rein gezogen und das Fenster geschlossen.

Ich spüre wieder das Auffliegen der Vogelschwärme in meiner Brust, ich spüre das Feuerrad, Abtragung eines Gesichts, ist bestehe nur noch aus unübersichtlichen Teilen, rufe ich, alles ist unübersichtlich geworden, alles verrottet, zerrüttet, verkommen…“ – Der Text von Mayröcker ist kein Theaterstück, sondern ein langer innerer Monolog. Wahnsinn, wie Mitchell daraus eine spannende Inszenierung geschaffen hat. Der starke Text wird nicht von Julia Wieninger gesprochen, sondern eine andere Schauspielerin liest ihn parallel vor.

Eine spannende Inszenierung! Hoffentlich gibt es eine Wiederaufnahme.

P.S. Eine Reihe vor uns saß Alice Schwarzer. :)

Meckis Puppentheater im Walzwerk Pulheim

Wir waren heute mit dem Kind in einem verzauberten Theater. Im winzigen Theaterfoyer hing ein großer Baum aus Samtstoffen, Kinderbücher lagen zum Mitnehmen aus. Unter einer Hochetage, auf dem sich Requisiten türmten, gab es Tische und eine Spielecke. Von der alten Dame hinter der Theke bekamen wir Eintrittsmurmeln. Am Eingang zum Theatersaal ließ das Kind diese in eine Murmelbahn rollen. Statt Eintrittskarten abreißen.

Das Theaterstück ‚Lenchens perfektes Weihnachtsfest‘ war genauso zauberhaft wie das Theater. Es war genaugenommen das mit Abstand beste Puppentheaterstück, das ich bisher gesehen habe. Leider ist unser neues Lieblingspuppentheater in Pulheim. In Köln haben wir so etwas nicht. Gute Puppentheater wie ‚Puppentheater Papiermond‘ sind mobile Theater. Und das ‚Blaue Haus‘ in der Südstadt ist gut, entbehrt aber jeglichen Zaubers.

Wenn ich hier nicht den Link hätte, würde ich mich fragen, ob wir dieses kleine Theater nächstes Mal wiederfinden würden. Vielleicht würde in der Rommerskirchener die Nummer 22 auf die Nummer 20 folgen. Und niemand hätte was von einer alten Dame mit Eintrittsmurmeln gehört.

http://www.claus-plus.de/theater/Kinder.html“>