Archiv für Mai 2013

Das Sommersemester

Dieser Post sollte eigentlich ‚Erste Semesterwoche‘ heißen. Nach der ersten Semesterwoche sollte der Post ‚Semesterstart‘ heißen.
Nun heißt der Post ‚Das Sommersemester‘. Es fühlt sich zwar immer noch wie Semesterstart an, aber das Sommersemester ist so kurz, dass in einem Monat schon Klausuren sind. Unglaublich.

Mich fragen Leute oft, was ich denn genau studiere und viele verwechseln Sonderpädagogik mit Soziale Arbeit, Sozialpädagogik oder auch Heilpädagogik.
Sonderpädagogik ist in erster Linie ein Lehramtsstudium. Wir studieren ebenso wie die Grundschul- und Gymnasial-Kommilitonen Unterrichtsfächer. Bei uns kommen dann noch 2 Förderschwerpunkte dazu. Ich habe also ein sehr abwechslungsreiches Studium, das aber mit viel Chaos und Switchen zwischen den einzelnen Fächern und Fakultäten mit ihren jeweils eigenen Zitierregeln u.s.w. verbunden ist. (Na ja, selbst innerhalb der Germanistik gelten in der Sprachwissenschaft andere Zitierregeln als in der Literaturwissenschaft. Augenroll.)

Dieses Semester habe ich ein ziemlich theaterlastiges Semester mit vielen interessanten Seminaren.
Ok, der Montagmorgen fängt nicht so toll an. Sprechablaufstörungen (Förderschwerpunkt Sprache) bei dem netten Prof, von dem die Aussage stammt: „Ich brauche keine Atteste. Mir ist egal, ob Sie mit Ihrem Kind im Krankenhaus waren oder besoffen am Rhein lagen.“ (Das hat er mir letztes Semester an den Kopf geworfen.)
Aber ich freue mich jedes Mal sehr auf die darauffolgenden Seminare. ich radel von der HumF ins Hauptgebäude zu ‚Mütter-Töchter-Frauen. Konstrukte der Weiblichkeit im Drama‘ (Fach Deutsch) – Ein Seminar, das Dramenanalyse mit Gender Studies verknünft und wirklich spannend ist. Dann fahre ich zurück zur HumF, steige die Treppen zur Kunstabteilung hoch und ziehe die Schuhe aus. Das Seminar ‚Ich in meiner Generation – eine Gruppenperformance‘ (Fach: Ästhetische Erziehung) beginnt immer mit einem Warm-Up und es folgen Übungen aus dem Bereich des Biographischen und Performativen Theaters. Eine Performance-Künstlerin leitet das Seminar, das über zwei Semster gehen und in einer Aufführung enden soll. Ich habe ja Schauspiel gelernt und hatte bisher keine Erfahrung mit solchen Theaterformen. Es ist für mich manchmal schon ungewohnt, ohne Rolle und Geschichte zu improvisieren, sondern z.B. nur mit Gegenständen, Bewegungen oder Geräuschen. Aber es ist bereichernd und macht Spaß.
Der Dienstag beginnt mit einem unspektakulärem Seminar über Kommunikationstheorien und deren Übertragung auf Unterrichtssituationen (Bildungswissenschaften – das ist der Fachbereich, den alle Lehrämter belegen müssen).
Dann fahre ich rüber zur HumF und steige in den Keller des Heilpädagogik-Departements hinab. Dort findet ein sehr spannendes Seminar statt: ‚Kinder-und Jugendzeichnungen im Forschungsfokus‘ (Sonderpädagogik, förderschwerpunktübergreifend).
Das ist ebenfalls ein echter Glücksfall, denn durch die dazugehörige Vorlesung ‚Forschungsmethoden‘ habe ich mich wirklich kämpfen müssen. Zu der Vorlesung gibt es ganz unterschiedliche Seminare und ich hatte Glück, das Zeichnungen-Seminar zu bekommen, das qualitative und nicht quantitative Methoden ( Statistik) zum Thema hat. Eigentlich ist in erster Linie die Therapie und Diagnostik anhand von Zeichnungen Thema, denn die Dozentin ist Kunsttherapeutin. Die Theorie veranschaulicht sie durch die Analyse konkreter Kinderzeichnungen und manchmal zeichnen auch wir etwas oder erzählen, wie wir als Kinder gezeichnet haben. Auch was sie von ihrer kunsttherapeutischen Arbeit erzählt, ist hochspannend!
Der Donnerstag beginnt mit ‚Ringen und Raufen als Beziehungsgetaltung‘ (Ästhetische Erziehung, Modul Bewegung/Psychomotorik) – auch ein tolles Seminar mit Theorie und Praxis – in der Turnhalle. Noch sind wir bei der Theorie, dann werden wir mit Bewegungs- und Vertrauensspielen in der Turnhalle starten, die zum Semesterende tatsächlich in Ringen und Raufen übergehen werden. Ich habe michg so auf das Seminar gefreut, weiß aber letzlich nicht, ob ich es wirklich weiter mitmachen werde, denn ich brauche im Modul Bewegung nichts mehr und ich bin schon mit den Aufgaben und Vorbereitungen für die Seminare, die ich brauche, sehr beschäftigt. Da reicht die Zeit leider nicht, um all die tollen Seminare aus dem Fach Ästhetische Erziehung zu machen (Bisher hatte ich Dokumentarfilm, Zeichnen, Trommeln, Ensemble, Wissenschaftliche Grundlagen, Theaterspielen in der Schule, Lied und Singen, Körper- und Sozialerfahrung, Entspannungsmethoden im Schulalltag u.a.)
Nach der Rauferei jedenfalls habe ich mein absolutes Hassfach: Phonetik. (Förderschwerpunkt Sprache). Die Paukerei des kompletten IPA-Alphabets ist schlimm. Und ich habe irgendwie gar kein Gespür für die 10 Varianten eines ‚r‘ oder ’s‘, die ich unterscheiden, erkennen und detailliert benennen können muss. Nächste Woche testet er. Brrr….
Danach aber habe ich im Fach Deutsch das Hauptseminar ‚Aktuelle Konzepte und Modelle der Dramen- und Theaterdidaktik‘. Ein super interessantes Seminar mit Theaterbesuch, theaterpädagogischen Workshop und einer sogenannten Lehrersicht-Veranstaltung im Comedia und Schauspielhaus Düsseldorf.
Die Woche endet am Freitag mit einem Seminar, das ich ebenfalls sehr spannend finde. ‚Diagnostik‘ im Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung. Die Testverfahrenkürzel KLT-R, CBCL, SDQ, PFK, DIKJ, BVF u.s.w. müssen zwar auch gepaukt werden, sind mir aber tausendmal lieber, als die blöden pharyngal-frikativ-stimmlos – Vokabeln der Phonetik.

Alles in einem bin ich aber sehr zufrieden mit meinen Seminaren dieses Semester und habe echt genug Ausgleich zur Phonetik und zu den Sprechablaufstörungen.
Ich werde auch oft gefragt, wie es ist, mit Kind zu studieren. Ein Post darüber folgt. Ich komme jetzt während des Semesters aber leider nicht viel zum Bloggen. Und wenn die Klausurphase schließlich da ist, werde ich über die spannenden Seminare, über die ich jetzt schwärme, bestimmt fluchen.