Archiv für Juli 2013

Mama, du warst ein Mädchenzweikind!

Eben beim Abendessen:

„Mama, du warst mal ein Mädchenbaby. Und dann warst du ein Mädchenkleinkind. Dann ein Mädchenzweikind, dann ein Mädchendreikind und dann ein Mädchenvierkind. Und dann dauerte es noch eeeeewig bis du eine Frau warst.“

Ich konnte nicht anders, ich musste einfach ein schlechtes Vorbild sein, beim Essen aufstehen und Papier und Stift holen.
Dann:

„Als du ein Mädchen warst, war ich ein Junge, oder?“

Ich antwortete, dass er da noch gar nicht auf der Welt war.

– „Warum nicht?“

Daraus wurde dann unser erstes richtiges „Aufklärungsgespräch“. Die Gespräche mit I. werden immer interessanter.

Und jetzt höre ich aus seinem Zimmer (er sollte eigentlich schlafen): „Ich werde mal ein gefährlicher Bär mit sooooolchen Krallen! …. Das ist doch Ehrenwort….. Wie hießen die Kinder? die hießen Palikali. Sie hatten ein Abenteuer .Sie bogen ab, da war ein Aufzug…“

Ich müsste ihm echt mit Aufnahmegerät hinterher laufen.

Der Junge mit den roten Fingernägeln

– I. kam mit Nagellack in den Kindergarten. Stolz lief er zu seinem Freund und rief: „Guck mal, ich habe Naggellack!“ Der Freund guckte interessiert, aber sein Vater lachte: „Ja, bist du denn ein Mädchen!?“ Ich erwiderte: „Auch Jungs dürfen Nagellack tragen.“

– I. kam auf der Kindergarten-Familienfreizeit in der Eifel mit roten Fingernägeln und bunter Kette und Armband zugleich an. Sein Outfit entlockte einigen anderen Eltern, vor allem den Vätern, interessante Kommentare. Von „Was hast du mit deinem Sohn gemacht?“ über „Gibs zu, hast du dir eigentlich ein Mädchen gewünscht?“ bis „Hey, ich bin das gewöhnt, ich arbeite gegenüber Timp“ (einem Travestielokal). Da fiel mir ehrlich gesagt keine Antwort ein. Immerhin waren die Kommentare an mich gerichtet und nicht direkt an I. Geärgert hat mich, dass mir ernsthaft unterstellt wurde, ich hätte ihm die „Mädchen“ – Sachen irgendwie aufgeschwatzt. (Ungläubig: „Er wollte das echt selber haben?“ – „Nein, ich habe gesagt, wenn du dir die Nägel nicht lackieren lässt, gibt es kein Sandmännchen“.)
Tatsächlich ist I. eines Morgens mit der fixen Idee, sich die Nägel zu lackieren, aufgewacht. Während ich noch im Halbschlaf war, lackierte er sich die Nägel mit einem lila Filzstift. Als ich wach war, machte ich ihm echten Nagellack drauf, womit er sehr zufrieden war.
Die Kinderkette und das Armband habe ich ihm gekauft, weil er sich Schmuck wie die Mama wünschte und er will sie ganz oft anziehen („Mama, wo ist meine Kette?“)
Getröstet hat mich ein Gespräch mit I.s Erzieher abends am Lagerfeuer. Der findet es super, dass I. manchmal rote Fingernägel hat und seine Babypuppe mitbringt. Als Mann im Frauenberuf hat er einen differenzierten Blick auf Geschlechterrollen und wir hatten ein gutes Gespräch über Kinderkleidung, Spiele u.s.w.

– I. wird mit blauen Sandalen, Jeansshorts und einem sehr buntem Shirt mit Kakadus, Wolken und Luftballons für ein Mädchen gehalten. Da hatte er gerade weder Schmuck an, noch lackierte Fingernägel. Lange Haare hat er auch nicht. Es lag also an dem Shirt. Ja, dürfen Jungs denn nichts Buntes mit Vogelmotiv anhaben?!

– Wir gehen in ein Schuhgeschäft, um Sandalen zu kaufen. I. steuert zielsicher ein knallpinkes, glänzendes und glitzernes Paar an. Ich stelle mir vor, was für Kommentare diese Schuhe auslösen würden, wenn schon die Nägel so kommentiert wurden. Deshalb will ich sie I. nicht kaufen. Ich sage I., dass sie ungesund für die Füße und schwitzig-unbequem sind und wir extra gute Sandalen kaufen wollten. Was auch stimmt. Ich will nicht sagen „Das sind Mädchensandalen“ und biete I. sogar von den guten Sandalen ein dezent altrosa Paar mit Blumen an. Ich bin erleichtert, dass er das nicht will. Aber er will auch keine neutralen Sandalen, sondern unbedingt unbedingt die glitzerpinken. Er hat sich in diese Sandalen verliebt. Obwohl ich die Fußgesundheit auf meiner Seite habe, fühle ich mich schlecht, weil ich sie einem Mädchen sicher gekauft hätte, denn sie waren nicht teuer. Schließlich lässt I. sich zu blauen Sandalen mit Ernie und Bert überreden. Und ich verspreche ihm, dass wir mal was anderes mit Glitzer kaufen. Er freute sich später über glitzerne Wickie-Zahnbürsten.
Ich ärgere mich über die Gesellschaft, weil ich mein Kind eigentlich nicht in seinem Geschmack manipulieren will.
Aber meine Entscheidung war richtig, denn wenn er richtig gemeine Kommentare zu seinen Traumsandalen gehört hätte, würde er sich vielleicht auch nicht mehr trauen, seine Kette anzuziehen oder mit dem pinken Puppenbuggy spazieren zu gehen.,

Ich finde es übrigens ziemlich normal, dass Kinder Glitzer und starke Farben wie Pink lieben.
Warum sollte das nur Mädchen vorbehalten sein?

P.S. Man kann natürlich der Meinung sein, dass Nagellack nichts an Kinderhänden verloren hat, auch nichts an Mädchenhänden. Dass Kinderschmuck unnötig ist und pinke Glitzersandalen eine Geschmacksverirrung sind. Ich sehe das nicht so.

Miss Päpki

An stressigen Regentagen stelle ich mir gerne vor: Ich sitze in einem wunderschönen Sraßencafe und trinke Milchkaffee, I. malt auf dem Platz vor dem Cafe mit Kreide und die Sonne scheint auf uns.
Heute war so ein Vormittag! Meine wunderbare Freundin Julie und I.s Patentante (http://juliesschoenewelt.blogspot.de) war mit ihrem Freund für das Wochenende nach Köln gekommen. (Sie wohnte früher in Köln und wir gingen zusammen zur Schule. Vor 2 Jahren ist sie nach Berlin gezogen und ich vermisse sie hier sehr)
Wir gingen zusammen zu „Miss Päpki“ am Brüsseler Platz im Belgischen Viertel frühstücken.
„Miss Päpki“ ist ein zauberhaftes kleines Cafe. Kaffee wird in filigranen Porzellantassen mit Rosen und Vögelchen serviert und Käse fürs Frühstück auf einer grün-goldenen Etagere. Jeder Kuchenteller ist besonders. Die Möbel sind weiß und zierlich. An den Wänden hängen neben einer Schmetterlingstapete alte Fotos und Rosenbilder in verschnörkelten Rahmen und auch Porzellantassen schmücken samt Untertellern an der Wand. An der Theke stehen Etageres mit Gebäck. Man kann draußen in der Sonne sitzen oder im Fenster, drinnen an einem großen Tisch oder ganz hinten zurckgezogen auf einer kleinen Bank am Fenster, das auf den Hinterhof hinausgeht. In dem kleinen Cafe sind so viele einzigartige Details zu entdecken, die meist mit Rosen, Schmetterlingen oder Vögeln zu tun haben. Für mich – ein Traum!
Die nostalgische Einrichtung im Shabby Chic-Stil ist süß im wahrsten Sinne des Wortes, aber strahlt wegen der weißen Möbel und hellen Farben Frische aus.
Ein frisch-süßes kleines Cafe.
Der Milchkaffee und der Milchshake aus dem hausgemachtem Himbeereis schmeckten perfekt. Das Frühstück war auch sehr lecker, aber die Zusammenstellung der Frühstücke finde ich nicht so gelungen. Es gibt Obst mit Joghurt, das süße Frühstück, das Käse-, das Lachs-, und das Wurstfrühstück und nur ein kombiniertes Angebot mit Käse und Wurst, das das teuerste ist. Für mich ist das schade, weil ich die Kombination von süß und herzhaft liebe. I. und ich teilten uns das süße Frühstück, darunter köstliche Karamell- und Kokoscreme. Mir war das zu süß. I. natürlich nicht. Er kaute glücklich an seinem Nougatcreme-Croissant und durfte noch zum „Nachtisch“ eine Kugel Eis aussuchen. Auf der Eistheke standen auch bunte Weingummigläser, die I. (zum Glück) nicht auffielen, weil er so mit Eis aussuchen beschäftigt war. Und dann noch die Tortenvitrine… In „Miss Päpki“ ist nicht nur die Einrichtung süß.
Als er satt war, holte I. die Kreide raus. „Miss Päpki“ liegt nicht an der Straße, sondern auf dem Brüsseler Platz. Perfekt zum Vor-dem-Cafe-Spielen. Zufälligerweise war ein (großer, cooler) Junge aus I.s Kindergarten auch da und die beiden freuten sich total. Während wir Kaffee tranken, kletterten sie auf diesen Mäuerchen rum, die mit Bäumen und Büschen bewachsen sind und zwischen Häusern und Kirche stehen. Sie spielten Müllmänner (auf dem Brüsseler Platz für Kinder ein dankbares Spiel, für Eltern weniger ;) ), sie fanden einen Draußen-Hammer (einen abgebrochenen dicken Ast, der wie eine Kreuzung aus Föhn und Hammer ausssah) und stritten sich um diesen Schatz. I.s großes Glück war, dass der Junge den Draußen-Hammer nicht mitnehmen durfte, als er gehen musste.
Im Winter sind Cafes mit Spielecke am entspanntesten, wenn man mit Kind ins Cafe will, aber jetzt im Sommer ist ein normales Cafe auf einem Platz super. Wenn es auch noch hausgemachtes Eis verkauft, ist es perfekt.
Zum Biergarten am Rathenauplatz möchte ich demnächst auch mal gehen. Diesen Sommer ist I. groß genug, dass er schon mal zum Spielplatz gehen kann, während ich noch im Biergarten sitze. Letzten Sommer war der Abstand noch zu groß, aber dieses Jahr reicht es, dass ich ihn im Blick habe.
Es war kein pädagogisch wertvoller Vormittag in der Natur, aber I. war glücklich mit dem kleinen Abenteuer auf den Mäuerchen mit seinem Kumpel. Und ich war glücklich, in der Sonne Kaffee zu trinken, mit Julie zu quatschen und I. beim Spielen zuzugucken. Ich bin ein Cafe-Mensch und solche Stadt-Momente brauche ich zum Auftanken. Städtetrips sind für mich das Tollste und zur Zeit rar. Aber Städtetrip-Feeling in der eigenen Stadt ist auch schön.
I. will bald noch mal zu „Miss Päpki“ und seiner besten Freundin „Miss Päpki“ zeigen.