Archiv für August 2013

Warum ich Renz-Polsters Buch lesen werde

Ich habe es immer noch nicht geschafft, so einen Besucher-Zähler zu installieren, aber ich vermute, gestern und heute fanden besonders viele Besucher den Weg hierhin. Warum ich das glaube? Wegen Herr Renz-Polsters neuem Blog.

Als ich eben bei Facebook (http://www.facebook.com/pages/Wundert%C3%BCtentag/438552029559747) in meiner Startseite darauf stieß und den Blog anklickte, traute ich meinen Augen kaum: Herr Renz-Polster bezog sich in seinem neuesten Post auf meinen Post „Warum Renz-Polster so langsam nervt“ .

Das ist der Link zu meinem Post: http://puddingteilchenn.blogsport.de/2013/07/22/warum-mich-renz-polster-so-langsam-nervt/
Und hier ist der Link zum gleichnamigen Post von Herr Renz-Polster: http://blog.kinder-verstehen.de/?p=25

Mich ärgert, dass Herr Renz-Polster und einige seiner Kommentatoren offensichtlich meinen Post nicht aufmerksam gelesen haben. Ich schrieb ausdrücklich keine Buchkritik. Ich bezog mich auf ein Interview mit ihm in Eltern Family und zitierte daraus: „Jeder weiß, dass er die Triumphe seiner Kindheit solchen ‚freien‘ Augenblicken verdankt, die er allein oder mit anderen Kindern erlebt hat. Wir wären doch nicht auf Bäume geklettert, wenn Mama darunter gestanden hätte! Gerade die selbst organisierten Abenteuer haben unser Kinderleben ausgemacht und uns vorangebracht.“

Ich bezog mich in erster Linie auf dieses Zitat, das mir viel zu verallgemeinernd erscheint.
Ich schrieb: „Ich bin in letzter Zeit in Zeitschriften und im Internet oft auf Dr. Renz-Polster,seine Thesen und das von ihm unterstützte ARTgerecht-Projekt gestoßen. Erst einmal fand ich seine Aussagen super und grundsätzlich finde ich sie immer noch super. Trotzdem war ich heute nur noch genervt als ich schon wieder über sein Bullerbü-Idealbild (Nach der Schule strolchen die Kinder in Gruppen und Banden in der Natur frei herum) las.“
Und: „Warum mich Renz-Polster trotz ‚einwandfreier‘ Einstellung nervt? Zum Beispiel weil seine Bullerbü-Forderung, so wie ich sie aufgefasst habe, auch Druck machen kann.“ Ich betonte extra meine persönliche Auffassung seiner Aussage in der Eltern Family.
Nicht zuletzt schrieb ich am Ende ausdrücklich, dass ich sein Buch noch nicht gelesen habe und es noch nicht erschienen ist: „P.S. Übrigens kommt im Herbst wohl ein neues Buch von Renz-Polster raus: „Wie Kinder heute wachsen – Natur als Entwicklungsraum“, das er mit dem Hirnforscher Gerald Hüther geschrieben hat.

Und trotzdem bin ich nachdenklich geworden. Auch wenn ich nicht über ein Buch, das ich nicht gelesen habe, schrieb, so muss ich mir doch an die eigene Nase packen. Ich kann auch verstehen, warum Herr Renz-Polster meinen Post wohl nicht mehr aufmerksam gelesen hat, nachdem er den Titel „Warum mich Renz-Polster so langsam nervt“ gelesen hatte.
Ich meinte das Interview und immer wiederkehrende Zitate in meiner Startseite. Seine Bücher habe ich nicht gelesen. Und ich denke, es war nicht fair, ihn anhand dieses Interviews zu bewerten. Ich habe nicht so getan, als hätte ich seine Bücher gelesen, das nicht. Aber wenn ich ein Buch geschrieben hätte, in dem ich meine Sicht auf Erziehung detailliert darlege (vielleicht bin ich ja mal in der Situation ;) ) und dann liest jemand nur ein Interview mit mir, in dem ich mich verallgemeinernd ausdrücke und ein paar Zitate aus dem Internet und schreibt daraufhin den Post: „Warum mich Wundertütentag so langsam nervt“
Dann wäre ich verletzt.
Renz-Polster schreibt, dass er eh ein dickes Fell hat und das ich ja ansonsten nett mit ihm umgehe. Aber: Ich hätte es sicher nicht so ausgedrückt, wenn ich gewusst hätte, dass er es liest, muss ich gestehen. Ich habe an irgendeinen Experten gedacht, der in letzter Zeit immer wieder zitiert wird. Aber nicht an den Menschen dahinter. Das ist im Internetzeitalter eine wichtige Lektion.
Und wie ich an dieser Stelle verallgemeinere, ist tatsächlich nicht ok: „Das ist jetzt ein Extrembeispiel, aber ich finde Renz-Polster bedient da immer ein romantisches Ideal-Bild, das weder der Individualität von Kindern gerecht wird, noch individuellen Umständen.
Schließlich kann ich noch nicht wissen, ob er es immer bedient.

Und deshalb: Auch wenn ich mich über das unaufmerksame Lesen und die daraus resultierende Unterstellung einer Buchbesprechung ärgere und meine Kritik an dem einen Interview-Zitat auch so meine…

…Lieber Herr Renz-Polster, ich möchte mich bei Ihnen für die oben zitierte Verallgemeinerung („bedient IMMER das Idealbild“) und den Post-Titel entschuldigen. Ich bin gespannt auf Ihren Blog und auf Ihre Bücher. Ich werde sie lesen und mir ein Bild darüber machen, ob sich meine Kritik an der zitierten Interview-Aussage verallgemeinern lässt, oder ob Sie in Ihren Büchern auch gerne zuhause spielende und leidenschaftlich Kurse besuchende Kinder erwähnen. Wenn ich das alte und das neue Buch gelesen habe, werde ich hier wirklich eine Buchbesprechung schreiben. :)

Verschieden

Oft erzählen/ schreiben Eltern über sich und ihr Kind: „Wir lieben grün.“ „Wir lieben das Meer“ „Wir lieben Vanilleeis“ „Wir lieben Pippi Langstrumpf“ und so weiter.
Ich will das auf keinen Fall abwerten oder ins Lächerliche ziehen. Ich sage so etwas auch und alles oben Genannte trifft auf I. und mich durchaus zu.
Aber wenn ich immer wieder solche „Wir“ – Äußerungen höre oder lese, frage ich mich doch: „Haben hier Mutter/ Vater und Kind wirklich immer den gleichen Geschmack? Wie kann das denn sein?“ Bei Babys und 1-2-jährigen kann ich mir das noch eher vorstellen, als bei Kindergartenkindern.
Und manchmal frage ich ich, ob dem Kind auch ein eigener Geschmack zugestanden wird. Das will ich aber niemandem unterstellen, nur weil er/ sie „Wir lieben Chucks“ oder so postet!! – das wäre ein Unding. Für mich ist dieser Satzanfang nur ein Gedankenanstoß, um über ein Thema zu schreiben, das ich wichtig finde:
Dass Eltern und Kinder ( in dem einen Fall mehr, in dem anderen weniger) unterschiedliche Temperamente und Vorlieben haben. Und selbst wenn sie sich in vielem ähneln, doch von Anfang an individuelle Persönlichkeiten sind.

I. und ich haben viele Gemeinsamkeiten.
Wir lieben beide Theater, Bücher und Filme.
Wir genießen es, zusammen ins Theater zu gehen. Ich langweile mich im Kindertheater nie, weil ich auch in Kindergeschichten eintauchen kann und es mich auch aus beruflicher Sicht interessiert. Unsere Begeisterung für Theater und gute Geschichten ist etwas kostbares Gemeinsames und ich hoffe, dass I. noch als Jugendlicher und Erwachsener gerne mit seiner Mama ins Theater und ins Kino gehen wird und wir uns über unsere Lese-Eindrücke austauschen werden.
Letzte Woche waren wir im Figurentheater „Der Räuber Hotzenplotz“, nachdem wir das Buch gelesen und den Film geguckt haben. I. war so glücklich aufgeregt, dass er mich während der Vorstellung 4 mal einen Kuss gegeben hat, worüber wiederum ich glücklich aufgeregt war, weil I. meistens nicht so viel kuscheln will (mehr dazu gleich).
Wir stehen beide gerne auf der Bühne (I. hat regelmäßig mit dem Kindergarten Vorstellungen), spielen gerne Rollenspiele und mit den Kasperlepuppen.
Aber wir haben auch oft einen unterschiedlichen Geschmack: I. mag zum Beispiel die Stücke vom Figurentheater Köln von Andreas Blaschke sehr. Wir haben „Petterson und Findus“, „Der Grüffelo“ und „Der Räuber Hotzenplotz“ gesehen, besonders von letzteren schwärmt I. immer wieder. Ich hingegen fand alle drei Stücke eher lieblos und mit so unlustigen Witzen für die Erwachsenen versehen.

Wir singen, malen und basteln beide sehr gerne. Wir sind beide hochsensibel (im Sinne der Art der Wahrnehmung und der Reizschwelle http://www.hsperson.com/) und zugleich gesellig – wir verabreden uns gerne mit Freunden und unternehmen gerne Neues.
Wir mögen beide Schmuck und Glitzer.

So weit so ähnlich.

I. kann stundenlang Autos und Lego spielen, das finde ich langweilig, ebenso wie seine geliebten Sachbücher und Sach-CDs über Dinos, Werkzeuge und Flugzeuge.
Sein Papa schreibt gerade seine Masterarbeit und ich habe I. erklärt, was das ist: „Stell dir vor, du interessierst dich so sehr für ein Thema, dass du darüber ein kleines Buch schreiben willst. Worüber würdest du schreiben?“ I, wie aus der Pistole geschossen: „Über Bohrer!“
(Und nein, das alles liegt nicht daran, dass er ein Junge ist und ich ein Mädchen war.)

I. kann in seinem Spiel und in seinen Gedanken so sehr versinken, dass er nicht mehr ansprechbar ist, wie sein Papa.
Ich vergesse zwar oft beim Lesen in der Bahn an der richtigen Haltestelle aus zu steigen, aber ansprechbar bin ich eigentlich immer. Mich nervt diese Nichtansprechbarkeit der Beiden oft sehr und doch beneide ich sie irgendwie darum.

Ich würde am liebsten immer über alles reden. I. nicht. „Ich habe keine Lust zu erzählen.“ „Erzähl ich nicht. Das ist ein Geheimnis.“ „Ich höre nichts, ich habe den Mund voll.“
Ich habe gelernt, ihn weniger auszufragen, mehr darauf zu vertrauen, dass er schon erzählen wird, was ihm wichtig ist und auch von mir zu erzählen. Als Kind konnte ich mit meinen Eltern über vieles nicht reden und mir ist in der Erziehung am wichtigsten, dass I. mit mir offen reden kann. Ich habe aber gemerkt, dass das Pendel bei mir zu sehr ins andere Extrem umgeschlagen hatte. I. hatte gar nicht das Bedürfnis nach mehr Reden, sondern nach mehr Ruhe.
Es ist gut, dass ich das rechtzeitig festgestellt habe, denn seitdem erzählt er mehr von sich aus. Und er kommt von sich aus öfter kuscheln oder gibt mir einen Kuss, seitdem ich mir angewöhnt habe, immer erst zu fragen, ob er eine Umarmung will, kuscheln will, einen Kuss will. (Und ein „Nein“ nicht mit einem „Ok, schade“ kommentiere, sondern mit einem „ok“!)
Ich war ein viel anhänglicheres Kind, als I. es ist und ich bin so ein „Körperkontakt“-Mensch. Ich weiß gerade nicht, wie ich das gut benennen soll, aber zum Beispiel unter Grundschullehrerinnen und Erziehern gibt es den Typ, der gerne zulässt, dass die Kinder kuscheln kommen und traurige Kinder auch durch eine Umarmung/ Streicheln des Kopfes, Rückens oder Armes tröstet und den Typ, der das nicht mag und nicht will. Beides ist ok, solange es nicht aufdringlich oder abweisend/ kalt wird. Wir werden im Lehramtsstudium ermutigt, die Sache mit dem Körperkontakt (im Primarbereich!) unserem Typ entsprechend zu handhaben.
Nun, ich bin ganz eindeutig der erste Typ. Und ich glaube, I. wäre als Lehrer der zweite Typ.
Es ist wichtig, dass ich das nicht vergesse!

Ich sterbe für Sushi. I. nicht.
I. dippt mit Genuss Würstchen in Honig. Ich nicht.

Ich mag Kleidung mit besonderen Motiven und liebevollen Details. Kinderkleidung mag ich bunt, kindgerecht, individuell. Viele dieser Kleidungsstücke gefallen I. auch, aber neuerdings bevorzugt er manchmal schlichtere Kleidung, oft Shirts mit Cars-Aufdruck u.s.w.
Ich habe im Internet ein gebrauchtes, selbstgenähtes Shirt aus einem bunten Stoff mit so kleinen flauschigen, süßen Monstern für ihn ergattert, von dem ich annahm, dass es ihm gefallen würde. I. findet, es sieht aus wie ein Schlafanzug und er zieht es nicht an.
Letztens waren wir zusammen in einem Geschäft und I. durfte sich ein Kleidungsstück aussuchen. Er suchte sich ein Shirt mit zwei sehr gefährlich aussehenden grünen Tyrannosauren (Ist das der Plural??) aus. Ihre Zähne waren weiß, mit so einem anderen Material „dreidimensional“ aufgedruckt.
Ich fand die Dinos hässlich, aber das war vollkommen egal. Er entwickelt seinen eigenen Geschmack und das ist super! Ich habe mir vorgenommen, ihn ab der nächsten Kleidergröße seine Kleidung komplett selbst aussuchen zu lassen. Solange sie nicht teuer und wetteruntauglich ist. Aber ob graues Poloshirt oder Spiderman-Pulli ist nicht mein Bier. Das wird ehrlich gesagt erst einmal nicht leicht für mich sein, weil ich eine große Schwäche für schöne Kinderkleidung habe.
Aber da muss ich durch.
Ich werde mich selbst ja weiterhin mit Schmetterlingen, Vögelchen, Pünktchen und Sternen einkleiden, soviel ich will.
Und ich werde mich ab und an über die Gelegenheit freuen, einen süßen Strampler für ein Baby auszusuchen.
Aber es ist toll, dass I. groß wird und bin gespannt auf seinen Geschmack.