Willi Wiberg

I. und ich lieben Willi Wiberg.
Willi Wiberg ist ein kleiner Junge, der in Schweden mit seinem Papa lebt und 1972 von Gunilla Begström erfunden wurde. Seitdem hat sie 23 Willi Wiberg-Bücher veröffentlicht, zuletzt 2011. In Deutschland erscheint Willi Wiberg im Oetinger Verlag.
Willi lebt, wie gesagt, mit seinem allein erziehenden Papa zusammen. Er hat eine Puppe namens Lisa. In diesen Alltagsgeschichten werden keine Rollenklischees bedient!
Mein Lieblingsband ist „Mehr Monster, Willi Wiberg!“ In dieser Geschichte darf Willi (zu dem Zeitpunkt 7 Jahre alt), den kleinen Benni babysitten.
Willi ist stolz und freut sich. Er malt sich aus, wie er Benni vorlesen wird, ihn füttern und ins Bett bringen wird. Er wird ein guter Babysitter sein! Aber es kommt anders. Benni kann schon alles alleine machen und lässt sich nicht helfen. Lesen zumindest kann der Kleine noch nicht. Also darf Willi vorlesen. Aber auf dem Schoß will Benni nicht sitzen und er verschmäht Willis liebevoll ausgesuchte Bücher vom kleinen Küken und der kleinen Maus. Stattdessen will er eine schreckliche Gruselgeschichte. Willi erfüllt ihm diesen Wunsch und erfindet ein schauriges Monster, das er detailliert beschreibt. Das findet Benni toll, rückt aber immer näher an Willi heran und zittert. Willi beruhigt ihn und bringt ihn ins Bett. Da will Benni doch noch die Geschichte vom Küken hören und auf den Schoß. Und Willi ist glücklich, „denn er ist jetzt der Babysitter,der er sein wollte
Dieses Ende finde ich so schön. Und ich liebe an dem Buch, dass es einerseits sehr spannend ein gefährliches Monster mit sieben Messern beschreibt, andererseits die Fürsorglichkeit von Willi und seinen Wunsch, ein guter Babysitter zu sein. So spricht das Buch zwei wichtige Pole in Kindern an – gefährlich sein und zärtlich sein. Und es zeigt, dass sich auch Jungen gerne und gut um kleinere Kinder kümmern und Babysitter werden können!
Zudem ist mit der Figur des kleinen Benni sehr treffend ein „störrischer“ 2-3-Jähriger beschrieben.

Zur Zeit haben wir, „Mach schnell, Willi Wiberg“ ausgeliehen, und lachen uns bei jedem Lesen schlapp. In dieser Geshichte ist Willi noch 5 Jahre alt und trödelt morgens beim Anziehen. Immer wenn sein Papa ihn ruft, sagt er „Ja,ich muss nur noch…“. Dann muss er der Puppe ihr Kleid anziehen, ein Auto reparieren, oder… Sein Papa ruft immer wütender. Die Situation kennen wir sehr gut, I. genießt die Identifikation mit Willi. Und als Willi dann schließlich angezogen ist, kommt Papa nicht. Er muss „nur noch die Zeitung zu Ende lesen“. Dann schimpft Willi mit Papa und beide lachen. Auch diese Situation kennt I. sehr gut. :) Er genießt die Geschichte sehr und mir macht das Vorlesen viel Spaß, wegen der häufigen wörtlichen Rede: „Ich muss nur noch…“ „Komm endlich!!!“ Überhaupt lese ich Willi Wiberg äußerst gerne vor. Die Sprache gefällt mir sehr, sie ist einfach und klar, aber besonders. Viel authentische wörtliche Rede. Auch die Illustrationen sind toll.
Aus den Büchern spricht warmherziger Humor und viel Verständnis. In den ersten Bänden ist Willi ein Kindergartenkind – will nicht schlafen gehen,trödelt morgens. Er hat einen unsichtbaren Freund, den sein Papa lieb mit einbezieht, dann aber irgendwann genervt ist.
Willi baut mit Papas Werkzeugkasten einen Hubschrauber, während Papa nicht aufpasst. Er wird bei Oma von seinen großen Cousins ausgeschlossen.
In den späteren Bänden ist Willi ein Schulkind. Er hat Angst vor dem ersten Schultag. Er wird von den anderen Jungen ausgelacht, weil seine beste Freundin ein Mädchen ist, ist traurig, lässt Milla links liegen, aber pfeift schließlich auf die Meinung der anderen.
In der wunderbaren Geschichte „Willi und das Ungeheuer“ hat Willi einen kleineren Jungen geschlagen, weil er dachte, dieser hätte seinen Ball geklaut. Ihn plagen Schuldgefühle, er sieht den Jungen tagelang nicht mehr im Hof und hat Angst, der Junge könnte gestorben sein. Eindrucksvoll schildert Bergström, wie Willi sich quält, bis er endlich den Jungen trifft. Es stellt sich heraus, dass der Kleine Willi gemieden hat, weil er Angst hatte, Willi sei sauer auf ihn. Willi sagt, dass er ja selbst schuld ist, dass sein Ball weg war und der Kleine ist erleichtert. Er bewundert Willi ja. Und Willi ist erleichtert. Ich fand es interessant, dass ich beim ersten Vorlesen sehr irritiert war, dass Willi sich nicht entschuldigt. Ich glaube, diese Lesererwartung kommt von gewöhnlicheren Bilderbüchern zu solchen Themen. Ich war so irritiert, dass ich zu I. sagte: „Ich finde, Willi hätte sich entschuldigen müssen“. Und dann merkte ich, dass es nicht stimmt. Und dass der nicht „korrekte“ aber verlegene und befreiende Dialog der zwei Jungen sehr realistisch und richtig war und dass der Kleine keine Entschuldigung mehr brauchte.
Es geht in den Bänden also oft um Themen, die Kinder belasten. Darum, dass man auch Fehler macht und manchmal schuldig ist. Und was man dann tun kann. Willi ist nicht perfekt (wie zB Conni). Und das finde ich sehr förderlich für das Selbstwertgefühl der LeserInnen, die sich mit Willi identifizieren. Denn sie lieben Willi und Willi ist kein perfekter Junge. Er hat sogar ein kleines Kind geschlagen, einfach so. Willi war gemein, die LeserInnen lehnen sein Verhalten ab. Aber Willi ist natürlich trotzdem liebenswert, er ist Willi Wiberg. Das ist eine sehr wichtige Botschaft.
Im Band „Hör zu, was ich erzähle, Willi Wiberg“ von 2003 ist Willi noch älter. Er ist fasziniert von Computerspielen und Filmen, in denen geschossen wird. Der Vater seines Freundes Hamdi war Soldat in einem echten Krieg. Spannend! Der Vater will nicht vom Krieg erzählen, aber eines Tages erzählt er doch. Nicht viel, eigentlich fast nur von einer Ameise. Aber Willi und Hamdi verstehen, dass echter Krieg ernst ist. Als er fertig erzählt hat, hören sie, wie im Hof jemand das Fußballtor kaputt macht, dass sie mit Hamdis Vater gebaut haben. Und er geht mit ihnen direkt nach unten, um es wieder aufzubauen.
Eine sehr berührende Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger.
Ich mag sehr, dass es auch darum geht, …wie Willi versucht, den richtigen Moment abzupassen, um Hamdis Vater zu fragen und wie dieser reagiert …dass Hamdi hofft, sein Vater würde eher was erzählen, wenn Willi fragt …dass ein Mensch nicht alles erzählen will und kann …dass man manchmal eine Erzählung nicht versteht und doch irgendwie versteht.
Eigentlich ist I. zu klein für diesen Band. Wir haben ihn einfach ausgeliehen,weil wir ihn noch nicht kannten. Aber er hat sehr aufmerksam zugehört, wollte zu Ende lesen und wir haben darüber gesprochen. Es war ein gutes Gespräch.

Die Bände, in denen Willi ein Kindergartenkind ist, würde ich ab etwa knapp 3 Jahren empfehlen. Die anderen ab etwa 3,5-4 Jahren.
Willi Wiberg, das sind Alltagsgeschichten mit Tiefgang und viel Verständnis für die kindliche Gefühlswelt.
Gut geschrieben und gut illustriert. Es macht Spaß, sie vorzulesen.
Morgen werde ich I. fragen, warum er Willi mag und den Post um seine Rezension ergänzen.


2 Antworten auf „Willi Wiberg“


  1. 1 momatka 02. Oktober 2013 um 7:23 Uhr

    Danke für diese schöne Leseempfehlung. Wir sind hier ja noch nicht so weit, aber Willi Willberg will ich mir auf jeden Fall merken. Liebe Grüße. Momakta.

  2. 2 Administrator 02. Oktober 2013 um 8:46 Uhr

    Das freut mich! :)

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