Archiv für April 2015

Superheld Zauberalarm Dunkler Lord

I. ist gerade im Superheldenfieber. Er ist fasziniert von Batman, Superman, Spiderman. Wobei er Vorlieben hat, wie er mir neulich erzählte:
Ivo: „Ich mag Superman eigentlich lieber als Batman. Superman kann Laser aus den Augen sprühen, aber Batman ist einfach nur ein außgewöhnlich sportlicher Mann.“
Heute holte ich vom Kindergarten einen Superhelden ab. Er hatte ein superscharfes Schwert, das als gewöhnlicher Stock getarnt war und trug einen Superumhang, der wie eine gewöhnliche übergeworfene Kapuzenjacke mit Käppi drüber aussah.
Er hieß – Der dunkle Lord.
Ich stutzte.
Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem ich mit I. zusammen Harry Potter lesen darf.
Aber ich muss mich noch gedulden. Woher kennt er also den Dunklen Lord? Wohl irgendwo aufgeschnappt, so wie die Namen der Star Wars Helden. Aber – wieso denn der dunkle Lord? Wieso nicht Voldemort oder wenigstens Der, dessen Name nicht genannt werden darf?
Ich bin zu sehr Harry Potter-Fan, um zuzulassen, dass mein Knd sich der Dunkle Lord nennt. Das geht nicht. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Normalerweise mache ich so etwas nicht, ich bewerte I. Spiel nicht, aber ich konnte nicht anders, als anzufangen, auf I. einzureden, dass der dunkle Lord gar kein guter Superheldenname ist.
Weil Voldemort der böseste Zauberer überhaupt ist. Fand I. gut.
Er hat Harry Potters Eltern getötet! – I. interessierte sich brennend dafür, wie genau er sie umgebracht hat.
Nur seine Anhänger, die anderen Bösen nennen ihn Der dunkle Lord!
Harry Potter ist mein Lieblingsbuch und es ist so komisch, wenn Du Dich dunkler Lord nennst!
Na gut, I. wollte sich einen anderen Namen überlegen und kam auf Alanus. Ich war begeistert! Wohl zu sehr, denn I. fand plötzlich, dass Alanus so kompliziert sei, dass er ihn sich nicht merken könne.
Zauberalarm wollte er statt dessen heißen! Auch gut. Bloß nicht dunkler Lord.

Aber als ich meinem Freund beim Abendessen vom Superhelden, der erst Dunkler Lord und dann Zauberalarm hieß, erzählte, meinte I. plötzlich:
Ich heiße jetzt Zauberalarm Dunkler Lord. So will ich heißen, das bestimme nämlich alleine ich und das ist meine Meinung!
Recht hat er, natürlich.
Dann erzählte ich I. noch ganz viel über Harry Potter. Natürlich keine Details über Vodemort (also ich nenne ihn nicht den Dunklen Lord!), aber vom Hogwarts-Express, vom sprechenden Hut, von Bertie Botts Bohnen, von Quidditch…
I. saugte alles auf.

…ich freue mich SO SEHR auf diesen Moment, wenn es soweit ist.

Neues über I.,Pink, Zöpfchen, Lego Movie…

Gestern waren I. und ich in einem Klamottenladen, als I. hörte, wie eine Frau die Verkäuferin fragte: „Ich suche Softshelljacken. Für Jungs.“
I. schnaubte: „Jacken für Jungs… Alle Jacken sind doch für Jungen und Mädchen!“
Hach. Schön!

In I.s Kindergarten hat sich was verändert. Früher war es so, dass blöde Kommentare über pinke Shirts oder Nagellack wenn, dann eher von Erwachsenen kamen, nie von Kindern. Aber neuerdings geben die zwei ältesten Vorschuljungs in I.s Gruppe den Ton an und wenn I. was „mädchenhaftes“ an hat, ärgern sie ihn. Deshalb will I. seine pinken und rosa Sachen, auch die „Jungsshirts“ mit pinken oder lilsa Akzenten nicht mehr im Kindergarten tragen. Ansonsten zieht er sie gern an und ich freue mich, dass er sich trotz Gegenwind seinen Geschmack und Selbstausdruck bewahren kann. Ihn trifft es sehr, dass die Beiden ihn ärgern, denn er mag sie und findet sie cool. Oft spielen sie mit ihm, sie spielen eigentlich gerne zusammen und plötzlich fangen sie doch an zu ärgern. Ich glaube, dieses hin und her belastet I. besonders.
Als I. immer wieder davon erzählt hat, gingen bei mir direkt die Alarmglocken und ich habe mich gefragt, ob I. wohl grundsätzlich und auch von anderen geärgert wird und ein Außenseiter in der Gruppe geworden ist. I. hatte immer eine tolle Clique in seiner Gruppe, allerdings ist nun sein bester Freund aus der Clique weggezogen und I. vermisst ihn sehr. Dann auch noch die zwei Vorschuljungs. Ich wurde in der Schule gemobbt, daher stoßen die Alarmglocken bei mir alte Erinnerungen an. I.s Erzieher erzählte aber, dass die Jungs wohl gerade alle ärgern, sehr dominant sind und I. keinesfalls ein Außenseiter ist. Er verprach, noch mehr als bisher die Situation im Auge zu haben. Das beruhigte mich. Außerdem erzählte die Mutter von I.s Kindergartenfreundin, dass die zwei die Freundin auch ärgern würden. Ihr Halstuch sei ein Babyhalstuch und sie würde babyhaft malen. Eigentlich nehmen sie alles als Anlass zum Ärgern. Mal war es I.’s weiße Unterhose, die sie an Babywindeln erinnerte und mal der Schwanz vom Drachen seines Drachenshirts, der irgendwie komisch war.
Ich freue mich, dass die Zwei im Sommer zur Schule gehen werden, dann wird I. das älteste Kind in der Gruppe sein. Das wird die Dynamik sicher ändern.
I. möchte sich unbedingt die Haare wachsen lassen und dann einen Zopf wie sein Papa haben. Er wartet sehnsüchtig darauf, dass er sich ein Zöpfchen machen kann, das hält. Er will „erst Haare so lang wie Papa, dann so lang wie die von Rapunzel!!“. Als er mit Zöpfchen im Kindergarten war, kamen natürlich blöde Kommentare und dann war er mehrmals hin- und hergerissen, ob er mit Zöpfchen in den Kindergarten soll oder nicht.
Zum Glück ist es nicht mehr so lange hin bis zu den Sommerferien und I. hat tolle ErzieherInnen. Eine Erzieherin hat ihm ein rosa Haargummi geschenkt, eine Praktikantin hatte wohl gesagt, dass sie sein Zöpfchen toll findet und er hat erzählt, dass eine andere Erzieherin seinen Pulli mit grau-blau-altrosa Streifen wohl besonders schön gefunden hätte und dann hätten viele das auch gesagt.

Gestern Abend haben wir zu dritt den Lego Film geguckt. Erst fand ich ihn ziemlich langweilig. I. war gebannt und mein Freund war begeistert, dass einfach alles aus Lego gebaut und animiert war, sogar Wellen im Meer, Explosionen und Duschwasser. Er und I. lieben Lego, ich kann damit persönlich wenig anfangen und mag Playmobil viel lieber. Aber dann hat mir der Film doch sehr gut gefallen, als er zum Ende hin seine Botschaft entfaltete: Dass die unterschiedlichen Lego-Welten nicht starr getrennt sein sollten, sondern dass kunterbunt gemixt gebaut und kombiniert werden kann, ohne Anleitung! Einhorn-Kitty mit Batman! Genauso spielt I. gerne: Neulich erlebten die Fillys mit Batman und seinem Batmobil ein Abenteuer.
Ich hätte es toll gefunden, wenn im Film die „Jungs“– und „Mädchen“ – Lego-Welten noch mehr durchmischt worden wären. Der Schwerpunkt lag eher darauf, dass kreativ gebaut wird. Sehr schönes Ende, in dem ein Junge seinen Vater überzeugen kann, ihn endlich mit seiner bis dato unantastbaren im Keller aufgebauten Lego-Welt spielen zu lassen.
Insgesamt ein sehenswerter Film, der I. sehr begeistert und direkt zum Lego-Raumschiffe bauen inspiriert hat!