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Signor Verde

Signor Verde‘ ist ein veganes Cafe/Bistro. Hier gibt es Kaffee, Frühstück, Mittagessen, Abendkarte, Eis, Kuchen, Torten komplett ohne tierische Produkte. Früher war das Cafe am Mauritiuswall, ich kannte es damals nicht.
Jetzt befindet sich die ‚meat free zone‘ direkt am Bahnhof Süd gegenüber den Fahrradständern, bzw an der Haltestelle ‚Eifelwall‘ der Linie 18.
Als ich in der StadtRevue die Ankündigung gelesen habe, wurde ich neugierig.
Ich bin nicht Veganerin, aber durch eine vegane Freundin kam ich hin und wieder in den Genuss veganen Schokokuchens oder veganer Dips und war erstaunt, wie gut sie doch schmeckten, denn eigentlich bin ich Milchprodukte-Junkie. Ich esse alles mit Käse oder Quark und liebe Pudding und Milcheis. Aber es scheint auf die richtige Zubereitung anzukommen. Die vegane Freundin ging mit mir mal ins Kalker Trash Chic Burger essen und ich war begeistert von einem veganem Burger Hawaii. Mir fehlte weder das Fleisch noch der Käse.
In Kalk bin ich leider kaum, daher war ich im Trash Chic bisher nicht oft.
Ich glaube, mit ‚Signor Verde‘ wird das anders. Die Lage ist für mich super. Und ich versuche gerade Vegetarierin zu werden (mehr dazu folgt), es fällt mir aber nicht einfach, weil mir Fleisch gut schmeckt, ich herzhaften Geschmack brauche und nur Salat, Suppen und Gemüse nicht mag. Fleisch-Ersatzprodukte schmecken mir. Da kommt mir das ‚Signor Verde‘ mit veganem Döner oder ‚Braten‘ gerade recht.
Außerdem verträgt mein Sohn Milch nicht gut und seit das festgestellt worden ist, kochen wir mit Sojasahne, Sojajoghurt und Reis-/ Sojamilch. Ich habe mich daran gewöhnt und finde Sojasahne-Saucen ebenso lecker wie Sahnesaucen, auch Sojapudding schmeckt. Nur Sojamilch pur /Soja-Eigengeschmack mag ich immer noch nicht. Jedenfalls setze ich mich mit Ersatzprodukten anders auseinander als früher.
Ich war also ziemlich gespannt, als ich das ‚Signor Verde‘ betrat.
Rechts ist eine Theke, links stehen Sessel und dann geht es lang nach hinten durch, vorbei an einer gemütlichen Nische mit Eckbank für größere Gruppen. Hinten stehen gemütliche Sofas mit Leuchten und ein Klavier. Also eher Cafe- als Restaurantatmosphäre, was mir sehr gut gefällt. Es ist etwas dunkel und in den Fenstern sind Muster aus buntem, überwiegend grünem Glas. Eine urige Mischung aus Irish Pub und Cafe Duddel. Ich mag beides. Wer hellere Locations mag, wird sich hier vielleicht nicht so wohl fühlen. Wenn es (denn mal) Frühling wird, wären ein paar Außenplätze schön. Für Abends finde ich die Schummrigkeit sowieso perfekt, aber leider hat das Cafe nur bis 22Uhr geöffnet (bisher). Es findet aber regelmäßig eine vegane Cocktail night mit open end statt.
Da war ich mit Freundinnen und der Laden war ziemlich voll. Wir hatten köstlichen Pina Colada getrunken und hätten es nicht herausgeschmeckt, dass er vegan ist, wenn wir es nicht gewusst hätten.
Auch der Milchkaffee war lecker. Der Latte Machiatto schmeckte mir hingegen zu sehr nach Soja. Ansonsten habe ich bisher noch nichts gegessen, weil ich gerade pleite bin. Nächsten Monat werde ich im ‚Signor Verde‘ essen gehen und berichten.
Wenn ich bei Facebook (http://www.facebook.com/signor.verde) Fotos von veganer Schwarzwälder Kirschtorte, Käsekuchen, Cupcakes oder Semmelknödel mit Champignon-Rahm-Geschnetzeltem sehe, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen.
Kind darf wegen der Kuhmilchunverträglichkeit nur Sorbeteis essen. Wenn es endlich warm wird, will ich mit ihm Eis essen gehen, auch mal einen Eisbecher. Im ‚Signor Verde‘ soll es demnächst milchfreies Vanille- und Schokoeis geben und auch Eisbecher wie Spaghetti- oder Erdbeerbecher! Spätestens im Sommer sind wir dann Stammgäste.

Ich würde ‚Signor Verde‘ nicht nur Veganern empfehlen, sondern auch Menschen mit Kuhmilchunverträglickeit/Laktoseintoleranz, natürlich Vegetariern, allen, die weniger tierische Produkte essen wollen oder sich für veganen Lebenswandel interessieren und auch ganz normalen Allesessern. Denn das, was ich bisher probiert habe, war lecker und auch die Atmosphäre fand ich jedesmal nett und einladend.

Signor Verde
Otto-Fischer-Str.1
50674 Köln
geöffnet: di – fr 10.00 – 22.00 uhr & sa 11.00 – 22.00 uhr & so 11.00 – 18.00 uhr

Gibt es das auch für Jungs?

„Dupps hat Lust auf einen Happs! Sie frisst sich durch die Post, knabbert am Sofa und nascht an der Lampe. Doch dann fällt ihr Blick auf Tuffels Po. Zubeißen oder nicht?“
Das Bilderbuch ‚Dupps macht Haps‘ von Polly Dunbar (http://www.carlsen.de/hardcover/dupps-macht-happs/21049) über das Krokodil mit dem Beißdrang will das Kind immer wieder hören und ich lese es gerne vor. Mir fiel auf, dass ich immer wieder „ER frisst sich durch die Post… Doch dann fällt SEIN Blick auf Tuffels Po…“ lese. Auch andere Vorleser_innen machen immer wieder denselben Fehler und merken es gar nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass es eher unüblich ist, dass im Bilderbuch ein beißwütiges Krokodil weiblich ist. Wenn in Bilderbüchern Tiere anthropomorph dargestellt werden, dann sind Tiger, Haie, Krokodile meist die Jungen. Es gibt sicher viele Gegenbeispiele und ich kenne dazu keine Forschung. Aber dieser Versprecher unterschiedlicher Vorleser_innen scheint mir kein Zufall zu sein. Ich habe auch noch nie ein Mädchenshirt mit einem Krokodil gesehen. Die gefährlichen Tiere mit den scharfen Zähnen finden sich allesamt in der Jungenabteilung. Dinos, Tiger, Haie, Piranhas sind besonders beliebt. Hasen, Mäuse, Pferde und Katzen sind ab allerspätestens Größe 92 den Mädchen vorbehalten.
Von Schmetterlingen, Blumen, Feen, Elfen, Prinzessinen, Cupcakes auf der einen und Flugzeugen, Autos, Baggern, Schraubenziehern, Piraten, Monstern, Drachen und Robotern auf der anderen Seite ganz zu schweigen. Bei den (Baby-) Jungs überwiegen die Wörter/ Ausdrücke ‚adventure‘, ‚worker‘, ‚builder‘, ’strong‘, ‚boys at work‘, ‚wild‘, ‚Monster‘ und ‚Rabauke‘. Auf Mädchenbäuchen ist zu lesen: ‚peace‘, ‚flower‘, ’sweet‘, ‚dream‘, ‚princess‘, ‚beauty‘.
(Oder auch bei Otto: ‚In Mathe bin ich Deko.‘)
Ich mag rosa. Und ich mag blau. Finde ich persönlich viel schöner als oliv oder beige. Meiner Meinung nach sind nicht die Farben, sondern eher diese Aufdrucke und Motive das Problem. Schon den Allerkleinsten werden damit Rollenklischees übergestülpt. Jungs lernen füh, dass Schmetterlinge und Pferde Mädchensache sind und Mädchen lernen früh, dass Dinosaurier und Piraten Jungsthemen sind. Schade. Wenn ich jetzt noch anfange, über die Spielwarenindustrie und die Spielzeugwerbung zu schreiben, wird der Post zu lang. Aber es ist schon erstaunlich, wie wenige kleine Jungen mit Puppenbuggys zu sehen sind, auch im Kölner Süden. Und wieviele kleine Jungs auf dem Spielplatz die Buggys der Mädchen ausleihen/wegnehmen. Und wie oft ich schon auf dem Spielplatz Gespräche a la „er schiebt so gerne Puppenwagen, aber sein Papa will nicht, dass er einen kriegt‘ belauscht habe (ja, im Kölner Süden). Puppenküchen zumindest haben viele Jungen. Aber Babypuppen samt Zubehör, geschweige denn Puppenhäuser oder Biegepuppen – eher nicht (so mein Eindruck). Und wenn ein Junge eine Puppe hat, dann ist es meist ein Puppenjunge. Dass ein Puppenpapa seinem Puppenmädchen die langen Haare kämmt, ist… unüblich. Aber dass die Puppenmama ihren Puppenjungen wickelt – klar, doch.
Ebenso frage ich mich, warum der Carlsen-Verlag es für nötig befunden hat, ein Conni-Äquivalent für Jungen zu enwickeln. http://www.carlsen.de/max „Das starke Buchprogramm für Jungs! Von den kleinen Vorlese-Fans ab 3 Jahren bis zu den Lese-Helden ab 7! Jungen ticken einfach anders als Mädchen. Für ihre individuelle Entwicklung brauchen sie männliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Vorbilder für den Alltag, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie sie selbst.“ Aha. Ich wüsste jetzt nicht, warum sich ein Junge nicht damit identifizieren können sollte, wie Conni das Seepferdchen macht, zur Musikschule geht, einen Bruder bekommt, in den Urlaub fährt und eingeschult wird. Warum er für dieselben Sachgeschichten einen Max brauchen sollte. Schließlich geht es bei Conni ja nicht darum, wie sie ihre Tage kriegt, sondern z.B. darum, wie sie mit ihrer Familie umzieht. Ziehen Jungs anders um als Mädchen oder was? Also mein Sohn identifiziert sich so sehr mit Conni, dass ich sie bald nicht mehr sehen kann. (Vielleicht gebe ich meine Weigerung, diese Max-Bücher zu kaufen, doch mal zwecks Abwechslung auf.) Ernsthaft: Als wären Jungen nicht in der Lage, sich mit Mädchen zu identifizieren und umgekehrt.
Manchmal habe ich den Eindruck, bald wird es keine Kinderbuchabteilung mehr geben, sondern wie bei den Klamotten eine Jungenbuch- und Mädchenbuchabteilung. Gruselige Vorstellung. Das Kinderüberraschungsei gibt es ja auch schon in zwei Ausführungen. Alles gibt es jeweils ‚für kleine Räuber/Helden‘ und ‚für Prinzessinen‘, seien es Babyrasseln, Cornflakes oder Schränke.
Die extreme Aufteilung in Mädchen- und Jungenkosmos erstreckt sich sogar auf Kleinkindfreundschaften. Wenn Mädchen&Mädchen/Junge&Junge gemeinsam buddeln, heißt es: „Wie schön die besten Freunde spielen“. Wenn Junge&Mädchen gemeinsam buddeln: „Ui, was für ein süßes Paar. Die beiden flirten schon wieder“. Ich finde diese Kommentare mittlerweile einfach nur zum Kotzen.
Genauso wie ich es nicht fassen kann, wie oft ich in 3 Jahren auf Spielplätzen und Krabbelgruppen schon gehört habe: „Jungs sind eben wilder.“, „Typisch Jungs und Technik“ (meist bezogen auf Babys, die Mamas Handy haben wollen) und so weiter und so fort.
Die Mehrheit scheint fest an ‚Typisch Mädchen‘ und ‚Typisch Junge‘ und angeborene Charaktermerkmale abhängig vom Geschlecht zu glauben.
Ich glaube an angeborene Charaktermerkmale unabhängig vom Geschlecht. Die einen Kinder sind eher wild und laut, die anderen eher ruhig und schüchtern. Manche sind musisch begabt, andere eher handwerklich. Das hat herzlich wenig mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit Temperament und Neigungen. Die einen passen eben mit ihrem Wesen in die Norm, die anderen nicht.
Wenn es heißt, dass der Deutschunterricht den Jungen nicht gerecht wird, weil das Lesen lernen zu wenig anhand von Abenteuergeschichten und ‚jungsspezifischen Themen‘ geschieht, dann würde ich es anders formulieren: Der Deutschunterricht wird den Kindern
nicht gerecht, die gerne Abenteuergeschichten, Fußball oder Piraten mögen. Eine größere Bandbreite an Unterrichtsmaterialien, die Kindern mit unterschiedlichen Interessen gerecht wird, muss her.
Wenn der Einwand lautet, dass Kinder mit Abenteuer-/Piraten-/Drachenvorlieben in der Mehrzahl Jungs sind, dann sage ich: Das liegt nicht an den Jungsgenen, sondern an der Sozialisation, die sie bis zum Lesealter bereits durchlaufen sind.
Hier würde ich wieder bei den Dinopullis und männlichen Krokodilen ankommen und mich im Kreis drehen.
Kinder sind in erster Linie Kinder und erst in zweiter Linie Junge oder Mädchen.
Die schwedische Kita Egalia sehe ich trotzdem kritisch, ebenso wie radikale Versuche einer geschlechtsneutralen Erziehung, bei der das Umfeld des Kindes sein Geschlecht nicht erfahren soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut fürs Kind ist, im Gegenteil.
Ich wünsche mir einfach, dass Jungen nicht als unjungenhaft bezeichnet werden, wenn sie an Karneval als schöner Prinz gehen, statt als gefährlicher Pirat und dass Mädchen nicht als unmädchenhaft gelten, wenn sie als Baumeisterin gehen. Ich wünsche mir, dass Kinder ihre Persönlichkeit entfalten können, ohne Angst haben zu müssen, kein richtiger Junge oder kein richtiges Mädchen zu sein.
In der Praxis ist das nicht immer einfach. Mir ist wichtig, dass mein Kind seine Persönlichkeit unabhängig von Geschlechternormen entfalten kann, aber ich habe auch das Bedürfnis ihn davor zu schützen, dass er geärgert oder ausgelacht wird. Dieser Balanceakt ist Thema für einen seperaten Post. Es ließe sich noch viel schreiben. Die Kinder, die heute mit diesen (oft subtilen) Geschlechterstereotypen aufwachsen, werden die Väter, Mütter, Chefinnen, Chefs und Politiker_innen von morgen sein.