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Frozen für alle! Über unsere Eiskönigin-Liebe und Merchandising

Viele Eltern gruselt es vor Merchandise-Produkten und sie versuchen, Kinderklamotten und -Sachen mit HeldInnen aus Filmen und Serien zu umgehen.
Mir geht es da anders, ich habe schon immer besonders gerne Fan-Artikel verschenkt, denn ich finde: Wenn jemand Fan von etwas ist, dann drückt er/ sie damit einen Teil seiner Persönlichkeit aus. Wenn jemand leidenschaftlich gern eine Band, eine Serie, die Heldin eines Films, eine Sängerin, einen Roman, eine Farbe, einen Stil… mag, dann steckt ein Teil seiner Seele darin… oder wird darin gespiegelt. Wenn ich einen Fan-Artikel verschenke, zeige ich damit dem Menschen, dass ich seine Interessen und Leidenschaften sehe und anerkenne und weiß, dass sie zu ihm gehören. Ich ermutige ihn, sich auszudrücken und seiner Umgebung den Stempel von dem, aufzudrücken, was ihm wichtig ist.
Insofern schenke ich Fan-Artikel besonders gerne Teenagern (z.B. Band-Shirt oder Poster), aber auch Erwachsenen (z.B. Tasse der Lieblingsserie) und Kindern.
Die Heldinnen und Helden unserer Kinder sagen so viel aus über ihre Träume und ihre oft (noch) versteckten Seiten. Deswegen würde ich sie nie als Konsummist abtun, sondern nachfragen und zuhören. Es kommen interessante Antworten.
Wenn ich I. frage, was er an Star Wars so toll findet, höre ich: „Die Raumschiffe! Die Kämpfe! Die Lichtschwerter! Und dass ich den Film noch nicht gucken darf. Ich finde ihn soooo spannend, weil ich so gespannt bin!“
Ich könnte mich darüber mokieren, dass er und etliche Kindergartenkinder Fan eines Films sind, den sie noch nie geguckt haben. Stattdessen entdecke ich gerade das Star Wars Universum für mich, kann die Faszination, die davon (schon seit Ewigkeiten) ausgeht, immer mehr nachvollziehen. Als ich den Film vor Jahren sah, bin ich eingeschlafen und konnte nie was damit anfangen, aber gerade bekomme ich Lust, ihn nochmal zu gucken.
Man könnte jetzt sagen, dass das Ernstnehmen der kindlichen Interessen nicht heißen muss, dass man Zeug kauft.
Das stimmt auch. Ich habe I. auf ein Shirt ein Star Wars – Motiv gemalt und er findet es toll. Außerdem könnte man gemeinsam zum favorisierten Thema basteln.
Aber ich finde, wenn man eh Klamotten oder Gebrauchsgegenstände kauft, kann man auch die mit den gerade beliebten Aufdrücken kaufen. Es ist schön zu sehen, wie I. sich freut, wenn seine Sachen zu ihm passen.

Aber.
Seit einiger Zeit sehe ich Merchandise-Produkte viel kritischer. Und zwar seit das Merchandising zum Film „Frozen – die Eiskönigin“ angefangen hat.
Mittlerweile gibt es einfach überall einfach alles mit Anna und Elsa, Olaf und Sven.
Und dadurch gerät dieser wundervolle Film total in den Hintergrund. (Star Wars – Fans würden wahrscheinlich dasselbe über Star Wars sagen… Da kann ich aber nicht mitreden (bisher), da ich früher, wie gesagt, dabei eingeschlafen bin.)
In letzter Zeit bekomme ich oft mit, dass viele Eltern so genervt vom Frozen-Hype sind, dass sie sich wundern, wenn ich anfange, vom Film zu schwärmen. Ich habe den Eindruck, es ist, als würden diese Tonnen an Frozen-Sachen die hohe Qualität des Films infrage stellen.

„Frozen“ ist in meinen Augen ein feinsinniger Film über Trauma, Depression und vor allem Heilung, über das Rauskommen aus einer Erstarrung. Es ist die Heldinnengeschichte von Elsa und die Heldinnengeschichte von Anna. Der Film berührt so viele Menschen so tief, weil er etwas universell Menschliches meisterhaft erzählt. Der Soundtrack ist fantastisch und das Titellied „Let it go“ hat völlig verdient einen Oskar gewonnen. Jedes Mal, wenn ich es höre, kriege ich Gänsehaut – immer noch.

The wind is howling like the swirling storm inside
Couldn‘t keep it in
Heaven knows I try

Don‘t let them in, don‘t let them see
Be the good girl you always have to be
Conceal, don‘t feel, don‘t let them know
Well now they know

Diese Zeilen und die dazugehörige Musik haben eine gewaltige Kraft und sprechen überall auf der Welt Menschen aus der Seele.
Der Film ist warmherzig, liebevoll und zeigt richtig starke Prinzessinen.
Am Ende boxt die starke Anna den hinterhältigen Hans mit voller Kraft ins Wasser! Und Sven, ihre echte Liebe, ist ein eher weicher und sensibler Mann.
Aber nicht sein Kuss erlöst Anna, wie zunächst erwartet wird, sondern die Schwesternliebe!!! Das ist so eine wichtige Botschaft.
Und auch wichtig: Als es doch ans Küssen geht, FRAGT Sven, ob er Anna küssen darf!

So, genug geschwärmt, schließlich sollte es in diesem Text in erster Linie um Merchandising gehen. Darauf komme ich jetzt zurück.
Mich stören zum einen die extrem omnipräsenten Frozen-Sachen. So ist ein Fan-Artikel nichts Besonderes mehr, kein Ausdruck einer Liebe, so wie es eigentlich mit einem Fan-Artikel sein sollte.
Mich stört aber ganz besonders, dass Frozen-Artikel speziell für Mädchen vermarktet werden. Das impliziert, es wäre ein Film speziell für Mädchen (als gäbe es sowas). Und kein wunderbarer Film für ALLE. Dadurch sehen sich vielleicht einige Jungs den Film gar nicht erst an oder scheuen sich, ihre Liebe zum Film auszudrücken.
Indem es die obligatorische „Für Jungs“ und „Für Mädchen“-Version eines Artikels zur Zeit im „Frozen – “ und „Spiderman – „/ „Star Wars“ – Look gibt (z.B. Schuhe), wird die Botschaft ausgesendet, dass es sich um einen Mädchen- und um einen Jungsfilm handelt. Das finde ich total traurig. Und ich fange an, dieses Merchandising-Ding zum Teufel zu wünschen, denn das hat nichts mehr mit den Wesen von Fan-Artikeln zu tun, wie ich das am Anfang des Textes beschrieben habe.
Einige Läden haben zwar immerhin auch in der Jungs-Abteilung Frozen-Kleidung im Angebot. Aber nur mit den männlichen Protagonisten – Sven und dem Schneemann Olaf. Dabei sind Anna und Elsa die eindeutigen Hauptpersonen und Heldinnen des Films. Das ist schade und so typisch für unsere Gesellschaft. Als Junge ein Fan von einer Mächen- oder Frauenfigur zu sein scheint tabuisiert zu sein. Seeräuberkind Pippi Langstrumpf ist gerade noch ok, aber eine Prinzessin geht gar nicht.
(Schrieb ich schonmal darüber, dass es jetzt ein männliches Pendant zu Conny gibt? Conny für Mädchen und Max für Jungs. Als würden Jungs anders zum Zahnarzt gehen und schwimmen lernen als Mächen.)

I. ist, wie ich, ein großer Frozen-Fan. Er kennt den Film in- und auswendig.
Letztes Jahr spielte er oft Elsa, wobei er im Kreis lief und „Let it go“ sang.
Wenn er das Lied auf englisch hört, übersetzt er es simultan auf deutsch. Er guckt ganz konzentriert, hebt den Zeigefinger und sagt, wie aus der Pistole geschossen: „Der Schnee glänzt weiß auf den Bergen heut‘ nacht.“ usw.
Er spielt so gerne mit seinem Lego – Frozen -Schloss.

Letztens waren wir in einem Spielwarenladen und ich rief aus: „Schau, hier gibt es ja ganz viele Frozen-Sachen“!
Der Verkäufer rümpfte die Nase und sagte zu Ivo: „Du bist doch nicht etwa Frozen-Fan, oder!?“
Ich erwiderte: „Das ist doch ein toller Film!“
Er hielt inne, schien eine Sekunde in sich zu gehen und renkte ein: „Stimmt.“
Freudig fügte er hinzu: „Und es soll bald einen zweiten Teil geben!“

Als würde er sich wieder erinnern, dass Anna und Elsa eigentlich Protagonistinnen eines guten Films sind und nicht nur die Verzierung von Haarspängchen.

Mein Sohn mag Star Wars und Superhelden und er mag Frozen.
Ich kann seine Faszination für ersteres absolut nachvollziehen, aber streng genommen ist er er nur von Frozen ein „richtiger Fan“ – denn er hat bisher weder Star Wars noch Spiderman geguckt, Frozen aber viele Male.
Aber ihm wird signalisiert, dass Frozen nichts für ihn sei. Zum Beispiel wenn er einen Schuhladen betritt.
I. ist begeistert von den Frozen- und von den Star Wars – Schuhen und entscheidet sich schließlich für die Star Wars – Schuhe. Ich bin erleichtert, denn in den Frozen-Schuhen würde er bestimmt ausgelacht werden.
Die Frozen-Schuhe sind sehr pink, obwohl pink eigentlich überhaupt nicht zum Film passt.
Die Entscheidung ist für I. ok so… er ist schließlich ebenso Star Wars – Fan.
Aber diese Aufteilung ist einfach nur zum Kotzen.
Insofern… habe ich doch ein großes Problem mit Merchandise-Produkten – denn in der Form unterstützt es nicht mehr den Selbstausdruck, sondern zwingt diesen in Schubladen.

Vielen, vielen Dank, Mama!

Ich lese gerade Alfie Kohns „Liebe und Eigenständigkeit“ und Naomi Aldorts „Von der Erziehung zur Einfühlung“.
Das heißt, ich habe den Kohn fast fertig gelesen, Aldorts Buch gekauft, reingelesen (es hat mich direkt begeistert!), dann aber beiseite gelegt, um Kohn fertig zu lesen.
(Ich nehme mir immer wieder vor – ich glaube, seit ich lesen kann – erst ein anderes Buch anzufangen, wenn ich das eine ausgelesen habe, aber na ja… )
Wenn ich beide dann gelesen habe, werde ich berichten.
Aber von einer Sache, die mich beeindruckt hat, möchte ich schonmal erzählen.
Ich habe mich beim Lesen sehr in meinem „Erziehungsstil“ und in meiner Intuition bestätigt gefühlt. Beispielsweise habe ich schon oft zu hören bekommen, dass ich zu viel mit I. diskutiere. Ich fühle mich aber nicht wohl mit „Weil ich es sage“ und „Weil ich deine Mutter bin“. Wenn ich Kohn und Aldort lese, werde ich direkt gelassener und entspannter I. gegenüber, weil ich das Gefühl habe, dass ich es richtig mache. Ich fühle mich dabei ermutigt, auf meine Art mit I. umzugehen, aber auch weiter zu gehen als bisher und einige Gewohnheiten zu überdenken.
Zum Beispiel das Danke und Bitte sagen.
Ich erinnere mich, dass ich als Kind sehr dazu gedrängt wurde und dass das sehr unangenehm war.
Und dennoch ist es leider so, dass auch ich I. (wird im Oktober 6) damit in den Ohren liege. Ich flöte zwar nicht für alle hörbar: Wieeee sagt man!?, ich schimpfe nicht, ich zwinge ihn nicht, aber dennoch: Ich flüstere (in einem netten, nicht mahnenden Tonfall, aber -ja- dennoch): „Hast du Danke gesagt?“ oder „Sag mal Danke!“, wenn I. eine Wurst beim Metzger kriegt/ Gummibärchen in der Apotheke/ ein Geschenk von den Großeltern.
Ich bin immer wieder genervt, weil er ohne Erinnerung meinerseits einfach nicht „Danke“ sagt.
Ich finde, dass das Bedanken keine leere Höflichkeitsfloskel ist, sondern für eine Geste, mir der man ausdrückt, dass man die Bemühungen des Gegenübers wertschätzt. Das habe ich I. schon mehrmals erklärt und trotzdem denkt er zu selten daran.
Mir scheint, besonders selten, wenn ich ihm etwas schenke. Auch wenn er sich offensichtlich freut. Auch in dem Fall sage ich (und komme mir dabei blöd vor, aber mache es trotzdem): „Und was kann man sagen?“
Auch „sag mal Entschuldigung“ oder „du musst dich jetzt entschuldigen“ höre ich mich viel zu oft sagen. Auch wenn ich schon lange denke, dass es nicht richtig ist, zum Entschuldigen zu drängen.
Vom Zauberwort habe ich auch schon oft gefaselt, auch wenn I. schon als Dreijähriger feststellte: „Bitte ist kein Zauberwort. Ein Wort, das eine Kerze in einen Wal verwandeln würde, das wäre ein Zauberwort.“

Kohn hat mich dazu gebracht, diese ganze Bitte-Danke-Tschuldigung-Sache zu reflektieren und zu hinterfragen. Ich beschloss, komplett darauf zu verzichten, diese Wörter einzufordern. Im Nachhinein die Situation besprechen – ja, je nachdem. Aber nicht mehr dieses: „Was könnte man sagen…?“ nachdem er ein Geschenk ausgepackt hat.

Nun brachte ich I. letztes Wochenende zwei Barbies von den Hofflohmärkten (coole Sache!) mit. Einen Ken, der sowohl wie ein Prinz, als auch wie ein Superman aussieht und eine Fee. I. hat sich Barbies sehr gewünscht und hat sich irre gefreut. Das war nicht zu übersehen. Bedankt hat er sich trotzdem nicht, aber ich hielt mich zurück und sagte nichts.
Abends vorm Einschlafen dann: „Vielen, vielen Dank für die Barbies, Mama!“
Das sagte er so andächtig, so zärtlich, so leidenschaftlich,
Noch nie hatte er sich SO aufrichtig und herzlich für etwas bedankt.
Und am nächsten Morgen, er wachte auf und – bedankte sich nochmal!
„Mama, vielen, vielen Dank, dass Du mir die Barbies mitgebracht hast. Ich habe mich sooo gefreut!“

Sein Dank kam vom Herzen.
Es war wie ein Geschenk für mich.
Ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg bin und ich spürte, wie sinnlos es ist, auf das Aussprechen der „Zauberwörter“ zu bestehen. Man kann darüber sprechen, dass Menschen sich darüber freuen und sich wertgeschätzt fühlen, wenn man sich bei ihnen bedankt, ja. Aber man muss nicht drängen.
Letztlich glaube ich, dass I. oft so überwältigt ist, wenn er sich freut – so sehr mit Freuen beschäftigt ist – dass er in dem Moment einfach nicht daran denkt, sich zu bedanken. Bei mir kann er es auch später machen, so wie er sich für die Barbies bedankt hat. Bei Fremden, die er eher nicht wiedersehen wird, ist das schwieriger. Aber das ist nicht schlimm.

Superheld Zauberalarm Dunkler Lord

I. ist gerade im Superheldenfieber. Er ist fasziniert von Batman, Superman, Spiderman. Wobei er Vorlieben hat, wie er mir neulich erzählte:
Ivo: „Ich mag Superman eigentlich lieber als Batman. Superman kann Laser aus den Augen sprühen, aber Batman ist einfach nur ein außgewöhnlich sportlicher Mann.“
Heute holte ich vom Kindergarten einen Superhelden ab. Er hatte ein superscharfes Schwert, das als gewöhnlicher Stock getarnt war und trug einen Superumhang, der wie eine gewöhnliche übergeworfene Kapuzenjacke mit Käppi drüber aussah.
Er hieß – Der dunkle Lord.
Ich stutzte.
Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem ich mit I. zusammen Harry Potter lesen darf.
Aber ich muss mich noch gedulden. Woher kennt er also den Dunklen Lord? Wohl irgendwo aufgeschnappt, so wie die Namen der Star Wars Helden. Aber – wieso denn der dunkle Lord? Wieso nicht Voldemort oder wenigstens Der, dessen Name nicht genannt werden darf?
Ich bin zu sehr Harry Potter-Fan, um zuzulassen, dass mein Knd sich der Dunkle Lord nennt. Das geht nicht. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Normalerweise mache ich so etwas nicht, ich bewerte I. Spiel nicht, aber ich konnte nicht anders, als anzufangen, auf I. einzureden, dass der dunkle Lord gar kein guter Superheldenname ist.
Weil Voldemort der böseste Zauberer überhaupt ist. Fand I. gut.
Er hat Harry Potters Eltern getötet! – I. interessierte sich brennend dafür, wie genau er sie umgebracht hat.
Nur seine Anhänger, die anderen Bösen nennen ihn Der dunkle Lord!
Harry Potter ist mein Lieblingsbuch und es ist so komisch, wenn Du Dich dunkler Lord nennst!
Na gut, I. wollte sich einen anderen Namen überlegen und kam auf Alanus. Ich war begeistert! Wohl zu sehr, denn I. fand plötzlich, dass Alanus so kompliziert sei, dass er ihn sich nicht merken könne.
Zauberalarm wollte er statt dessen heißen! Auch gut. Bloß nicht dunkler Lord.

Aber als ich meinem Freund beim Abendessen vom Superhelden, der erst Dunkler Lord und dann Zauberalarm hieß, erzählte, meinte I. plötzlich:
Ich heiße jetzt Zauberalarm Dunkler Lord. So will ich heißen, das bestimme nämlich alleine ich und das ist meine Meinung!
Recht hat er, natürlich.
Dann erzählte ich I. noch ganz viel über Harry Potter. Natürlich keine Details über Vodemort (also ich nenne ihn nicht den Dunklen Lord!), aber vom Hogwarts-Express, vom sprechenden Hut, von Bertie Botts Bohnen, von Quidditch…
I. saugte alles auf.

…ich freue mich SO SEHR auf diesen Moment, wenn es soweit ist.

Neues über I.,Pink, Zöpfchen, Lego Movie…

Gestern waren I. und ich in einem Klamottenladen, als I. hörte, wie eine Frau die Verkäuferin fragte: „Ich suche Softshelljacken. Für Jungs.“
I. schnaubte: „Jacken für Jungs… Alle Jacken sind doch für Jungen und Mädchen!“
Hach. Schön!

In I.s Kindergarten hat sich was verändert. Früher war es so, dass blöde Kommentare über pinke Shirts oder Nagellack wenn, dann eher von Erwachsenen kamen, nie von Kindern. Aber neuerdings geben die zwei ältesten Vorschuljungs in I.s Gruppe den Ton an und wenn I. was „mädchenhaftes“ an hat, ärgern sie ihn. Deshalb will I. seine pinken und rosa Sachen, auch die „Jungsshirts“ mit pinken oder lilsa Akzenten nicht mehr im Kindergarten tragen. Ansonsten zieht er sie gern an und ich freue mich, dass er sich trotz Gegenwind seinen Geschmack und Selbstausdruck bewahren kann. Ihn trifft es sehr, dass die Beiden ihn ärgern, denn er mag sie und findet sie cool. Oft spielen sie mit ihm, sie spielen eigentlich gerne zusammen und plötzlich fangen sie doch an zu ärgern. Ich glaube, dieses hin und her belastet I. besonders.
Als I. immer wieder davon erzählt hat, gingen bei mir direkt die Alarmglocken und ich habe mich gefragt, ob I. wohl grundsätzlich und auch von anderen geärgert wird und ein Außenseiter in der Gruppe geworden ist. I. hatte immer eine tolle Clique in seiner Gruppe, allerdings ist nun sein bester Freund aus der Clique weggezogen und I. vermisst ihn sehr. Dann auch noch die zwei Vorschuljungs. Ich wurde in der Schule gemobbt, daher stoßen die Alarmglocken bei mir alte Erinnerungen an. I.s Erzieher erzählte aber, dass die Jungs wohl gerade alle ärgern, sehr dominant sind und I. keinesfalls ein Außenseiter ist. Er verprach, noch mehr als bisher die Situation im Auge zu haben. Das beruhigte mich. Außerdem erzählte die Mutter von I.s Kindergartenfreundin, dass die zwei die Freundin auch ärgern würden. Ihr Halstuch sei ein Babyhalstuch und sie würde babyhaft malen. Eigentlich nehmen sie alles als Anlass zum Ärgern. Mal war es I.’s weiße Unterhose, die sie an Babywindeln erinnerte und mal der Schwanz vom Drachen seines Drachenshirts, der irgendwie komisch war.
Ich freue mich, dass die Zwei im Sommer zur Schule gehen werden, dann wird I. das älteste Kind in der Gruppe sein. Das wird die Dynamik sicher ändern.
I. möchte sich unbedingt die Haare wachsen lassen und dann einen Zopf wie sein Papa haben. Er wartet sehnsüchtig darauf, dass er sich ein Zöpfchen machen kann, das hält. Er will „erst Haare so lang wie Papa, dann so lang wie die von Rapunzel!!“. Als er mit Zöpfchen im Kindergarten war, kamen natürlich blöde Kommentare und dann war er mehrmals hin- und hergerissen, ob er mit Zöpfchen in den Kindergarten soll oder nicht.
Zum Glück ist es nicht mehr so lange hin bis zu den Sommerferien und I. hat tolle ErzieherInnen. Eine Erzieherin hat ihm ein rosa Haargummi geschenkt, eine Praktikantin hatte wohl gesagt, dass sie sein Zöpfchen toll findet und er hat erzählt, dass eine andere Erzieherin seinen Pulli mit grau-blau-altrosa Streifen wohl besonders schön gefunden hätte und dann hätten viele das auch gesagt.

Gestern Abend haben wir zu dritt den Lego Film geguckt. Erst fand ich ihn ziemlich langweilig. I. war gebannt und mein Freund war begeistert, dass einfach alles aus Lego gebaut und animiert war, sogar Wellen im Meer, Explosionen und Duschwasser. Er und I. lieben Lego, ich kann damit persönlich wenig anfangen und mag Playmobil viel lieber. Aber dann hat mir der Film doch sehr gut gefallen, als er zum Ende hin seine Botschaft entfaltete: Dass die unterschiedlichen Lego-Welten nicht starr getrennt sein sollten, sondern dass kunterbunt gemixt gebaut und kombiniert werden kann, ohne Anleitung! Einhorn-Kitty mit Batman! Genauso spielt I. gerne: Neulich erlebten die Fillys mit Batman und seinem Batmobil ein Abenteuer.
Ich hätte es toll gefunden, wenn im Film die „Jungs“– und „Mädchen“ – Lego-Welten noch mehr durchmischt worden wären. Der Schwerpunkt lag eher darauf, dass kreativ gebaut wird. Sehr schönes Ende, in dem ein Junge seinen Vater überzeugen kann, ihn endlich mit seiner bis dato unantastbaren im Keller aufgebauten Lego-Welt spielen zu lassen.
Insgesamt ein sehenswerter Film, der I. sehr begeistert und direkt zum Lego-Raumschiffe bauen inspiriert hat!

Pinkt stinkt nicht.

Heute morgen war ich bei einem Kinderflohmarkt, wo ich folgendes Gespräch miterlebte:
Kundin (hatte gerade Autobettwäsche bezahlt): „Toll, vielen Dank! Sonst müsste er noch in Prinzessin Lillifee-Bettwäsche der Großen schlafen.“
Verkäuferin: „Um Gottes willen!!! DER ARME! Nein, auch wenn wir hier in Köln sind, sowas muss man ja nicht forcieren. Wenn’s von selber kommt, ok. Aber man muss es nicht forcieren.“
Ich dachte, mir fallen gleich die Ohren ab. Dieser Jungssachen vs Mädchensachen Unsinn, den hört man ja leider täglich. Ich kann es nicht mehr hören. Aber die Aussage dieser Mutter implizierte ja noch viel mehr. Auch schon oft gehört, aber es machte mich wieder so, so wütend. Die Homophobie dahinter. Als wäre Homosexualität („…auch wenn wir hier in Köln sind“) etwas Unerwünschtes. Nach dem Motto: Wenn’s so ist, ist es eben so, aber wenn es sich vermeiden lässt… Als ließe es sich vermeiden. Als ließe sich die sexuelle Orientierung unserer Kinder beeinflussen. Und schließlich: Als hätte das Schlafen in Lillifee-Bettwäsche, tragen von/ spielen mit „Mädchensachen“ IRGENDWAS damit zu tun.
Mich kotzt das alles so an. Ich lebe noch nicht mal auf dem Land. Der Kindergarten, in dem der Flohmarkt stattfand, ist in der Kölner Südstadt!
Das Gespräch ging noch weiter: Die Kundin erzählte: „Boah, mein Sohn will total oft Sachen von seiner großen Schwester anziehen. Wie er zuhause manchmal rumläuft, schrecklich!!“
Ich konnte das Ganze nicht unkommentiert lassen, habe aber leider nur gesagt: „Also mein Sohn liebt rosa und ich finde es schön. Ich bin gerade sehr froh, einen Pulli mit rosa für ihn gefunden zu haben.“ Worauf beide Frauen mich kurz irritiert anschauten, dann wendeten sie sich ab und die Verkäuferin sagte zur Kundin: „Bei uns ist es genau andersrum. Meine Tochter ist so burschikos, immer will sie nur Hosen tragen, ich würde ihr doch so gerne mal ihre hübschen Kleidchen anziehen, sie hübsch machen… sie sagt, warum muss mein Bruder denn keine Kleider tragen und ich sage: Er ist ja auch ein Junge….“
Ich ging weiter.
Ich freute mich über meine Schnäppchen, den rosa-grau-blau geringelten Pulli und das grüne Poloshirt mit der rosa Aufschrift für meinen Sohn. Ich wusste, ich hatte I.s Geschmack getroffen. (Ich bin immer auf der Suche nach „Jungs-Sachen“ in/mit seinen Lieblingsfarben pink, rosa oder lila. Ich meine diese Anführungsstriche sehr, sehr dick, denn ich wünschte, es gäbe diese dumme Aufteilung in Jungs – und Mädchensachen nicht. Und I. mag auch gern Rüschen, Glitzer, alles aus der Mädchenabteilung. Aber in seinem Kindergarten weht der Wind jetzt rauher und traurigerweise kann bereits ein pinker Farbtupfer von den großen Jungs blöd kommentiert werden. Das macht I. was aus und er fühlt sich oft hin- und hergerissen zwischen seinem Geschmack und dem Wunsch, von den Größeren anerkannt zu werden. Wenn die Klamotte auch „Jungs“-Attribute aufweist, kann er seine Lieblingsfarben tragen, ohne das Risiko einzugehen, geärgert zu werden. Zu dem ganzen Thema habe ich vor langer Zeit bereits gebloggt, siehe „Der Junge mit den roten Fingernägeln, 1&2″)
Ich war also zufrieden mit meiner Flohmarktausbeute und I. freute sich tatsächlich sehr, als ich nach Hause kam.
Aber die Wut bleibt.
Die Wut auf die Homophobie und Heteronormativität, die einem im Alltag immer wieder auflauert. Die Wut darüber, dass es immer noch nicht selbstverständlich ist davon auszugehen, dass ein Kind später homo-, hetero-, oder bisexuell sein wird und alles völlig gleichwertig ist. (Die Heteronormativität und wie man damit als Eltern umgeht, ist ein Thema für einen ganzen Post…)
Die Wut auf diese verdammte Gesellschaft, in der Pink, rosa, Glitzer, Feen für Jungs immer noch ein Tabu sind.
Mein Sohn ist neidisch auf die Röckchen der Mädchen, die beim Drehen so schön schwingen und er ärgert sich mit mir darüber, dass Röcke und Kleider in unserer Gesellschaft den Mädchen vorbehalten sind. Er hatte mal ein Tutu fürs Tanzen, aber jetzt mit 5 trägt er es nicht mehr.
Er ist jetzt 5 1/2, cool sein ist wichtig. Gerade sind Superhelden und Star Wars besonders angesagt. Waffen, Laserschwerter, spektakuläre Kämpfe faszinieren ihn. Aber er hat sich auch noch seine Liebe für Filly-Pferde und Feen bewahrt, mit seinen Freundinnen spielt er stundenlang mit dem Filly-Schloss oder mit Barbies. Mit mir spielt er am liebsten Fillys oder Babypuppen. Dann ist er 4-facher, sehr treusorgender Papa und ich die Oma (von Lisabella, Lisa, Carlotta und Filippa). Er liebt seine pinke Haarbürste mit Glitzerkrone. Neben vielen Superhelden- Drachen- und Piratenshirts hat er wenigstens etwas rosa und pink in der Garderobe. Ich bin dankbar, dass er sich das alles trotz des rauhen Windes bewahren konnte.
Und ich bin sehr stolz auf ihn, weil er davon überzeugt ist, dass die Aufteilung in Jungs- und Mädchensachen Quatsch ist.
Letztens fragte er mich:
„Mama, was steht auf meiner Hose?“
– „Boys Wear, das heißt Jungenkleidung.“
„So ein Quatsch, es gibt doch nicht Hosen nur für Jungs oder nur für Mädchen! DAS HABEN DIE NUR GEMACHT, DAMIT MAN DIE HOSEN NICHT TEILT!“, entgegnete er empört. Und das mit dem Teilen – darauf ist er selber gekommen!! Über den kommerziellen Aspekt davon, dass es jeden Pups in zweifacher Ausführung gibt, haben wir nie gesprochen.

Wild sein, Piraten, Glitzer, gefährliche Monster, schöne Prinzen und Prinzessinnen, Kämpfen, Stark sein, Raubtiere, zart sein, sich schmücken und schminken, Superheldinnen und Superhelden, sich kümmern, Babypuppen versorgen, Roboter, Technik, Weltraum, Feen und Elfen, Drachen, Schwerter, Schmetterlinge.
Für alle!
Jeder und jede sollte sich aussuchen können, was sie/ ihn fasziniert und interessiert ganz ohne die Label „Für Jungen“ oder „Für Mädchen“.
Selbstverständlich dürfen sich Mädchen für die Puppen entscheiden und Jungs für die Autos. Aber auch andersherum. Und für Beides! Die meisten Kinder mögen nämlich eine breite Palette an Themen und Aktivitäten, je nach Alter, Phase und auch Typ/ Charakter in unterschiedlicher Gewichtung. Das hängt von vielen Faktoren ab, aber nicht vom Geschlecht. Die künstliche Einschränkung in „Für Jungs“ und „Für Mädchen“, die meines Erachtens immer weiter fortschreitet und nun auch auf Literatur, Sach- und Schulbücher übergeht, geht mit starker Normierung einher – sehr starren Vorstellungen davon, wie ein Junge oder ein Mädchen zu sein hat. Wer der Norm nicht entspricht, fällt auf. Das macht es Kindern schwerer, ihre ganze Persönlichkeit zu entfalten, ihre wilden und ihre zarten Seiten.

Pink stinkt nicht.
Pink ist für alle da.

Fast 4

Ich komme nicht mit, ich komme einfach nicht mit.
I. erzählt die lustigsten Geschichten, erfindet die kreativsten Schimpfwörter (und ahmt die unkreativsten nach), stellt die interessantesten und tiefgründigsten Fragen, findet die ausgefuchstesten Argumente, spielt die süßesten Theater- und Tanzstücke vor und ich komme einfach nicht mit.
Ich würde am liebsten alles notieren, aufnehmen. Ähem, und belauschen, wenn er mit seinen Freunden zusammen ist und mitten in der niedlichsten Verhandlung die Tür schließt.
Als es noch darum ging, neue Wörter zu lernen, war das Mitschreiben viel einfacher.

Heute rief er seiner Freundin hinterher: „Du gestorbene Kastanie, du blöde!“, als er sauer war. Wie kommt er darauf?
Standardspruch, wenn er etwas haben/ machen will, was er nicht darf: „Bitte,bitte, dann bin ich auch dein allerallerbester Freund!“
Und wenn er trotzdem nicht darf: „Ich bin nie mehr dein allerbester Freund!“
Er wünscht sich einen Pippi Langstrumpf-Piraten-Feen-Geburtstag mit viel Glitzer. Er will sehr viele Freunde einladen und ich sage, dass es leider nicht geht, weil unsere Wohnung zu klein ist. Sein Vorschlag: „Wir können umziehen!“ – in einem Tonfall, als würde ich mal wieder nicht auf das Naheliegendste kommen.
Er hat ein Fernrohr erfunden gebastelt, mit dem er bis zu seinen Urgroßeltern in Leverkusen schauen kann.
Wir spielen Polly Pocket und er überlegt sich: „Das sind zwei Mädchens. Sie heißen Lilly und Jojo. Sie sind Sternfeen.“
Wir reden viel über Gott und darüber, wo er ist und wie er aussieht. I. stellt so viele Fragen, ich versuche sie zu beantworten. Oft sage ich, dass ich das und das glaube, aber auch nicht weiß warum und wo und wie genau.
Er hat die Oma damit beeindruckt, dass er, als sie „König der Löwen“ gelesen haben, erzählt hat, dass Gott im Himmel ist, aber auch überall und dass die, die sterben, zu Gott in den Himmel kommen.
Er betet: „Lieber Gott, danke, dass es keinen Räuber Hotzenplotz gibt. Amen.“ (Als großer Hotzenplotz-Fan, der die Bücher, das Hörspiel,den Film und das Theaterstück verschlungen hat) Und: „Lieber Gott, danke, dass es Barbies gibt. Und dass ich Bücher habe. Amen.“
Babys sind ein großes Thema, I. liebt Babys, ist sehr süß zu ihnen. Und ihn interessiert, woher sie kommen. Das erste Aufklärungsbuch haben wir gelesen und besprochen.
I. tanzt so gerne und wünscht sich ein Tattoo-Kleid (ein Tütü). Und eine Geige.
Er singt und singt und ruft alle zusammen, um ein Theaterstück zu sehen.
Müllwagen und Bagger faszinieren ihn nicht mehr wie früher. Er findet jetzt alles spannend, was nach Abenteuer und Zauber riecht:
Feen, Piraten,Drachen, Prinzessinnen, Ritter, Riesen, Zwerge, Räuber. Pippi Langstrumpf.
Wenn er sich sehr freut, sagt er: „Noch nie in meinem Leben (hatte ich xy/ ist xy passiert)!“ Oder: „Das ist die längste Pommes der Welt“, „Das ist der schönste Tag in meinem Leben!“
Buchstaben findet er spannend und fragt oft, ob wir ihm schreiben helfen könnten. Er kann schon seinen Namen schreiben, mehrere Buchstaben…
Er fängt an, Sachen zu entziffern und scheint zu ahnen, was für eine Welt sich ihm da auftut.
Er vermisst seine beste Freundin, wenn er sie zu lange nicht sieht. Es ist so eine Freude, ihnen beim Spielen zuzusehen. Wie sie Rollen verhandeln, in die Rollen schlüpfen, sich gegen die Erwachsenen verbünden…: „Wir wollen uns aber nicht anziehen. ODER?“ (Verschwörerischer Blick zur Freundin.) „Die Mamas sind blöd, ODER?“ Hmpf.
Als seine beste Freundin bei ihm übernachtet hat, hörten wir die beiden flüstern: „Komm, wir gehen jetzt zu meinen Eltern und sagen, wir können nicht schlafen und wollen noch was essen, oder?“ Sie kamen Hand in Hand und verschwörerisch strahlend in unser Zimmer getapst. Und nachdem wir sie zurückgeschickt haben: „Komm, wir gehen nochmal ins große Zimmer und sagen, dass wir altes Brot essen wollen.“ (!?)
I. bestellt im Restaurant und Cafe selber, er weiß genau, was er will: „Bitte Pommes mit Majo und Ketchup und eine Apfelschorle ohne Sprudel!“
Als unsere Straße abgesperrt war, ist er zu den Polizisten gegangen und hat sie gefragt, was denn passiert sei.
So oft bin ich erfüllt mit Stolz und Dankbarkeit.
Und manchmal muss ich angesichts so mancher seiner Aussagen schlucken.
Zum Beispiel neulich meinte ich: „Deine Musiklehrerin J. ist so nett, ne?“ Und er: „Ja! Ich wünschte, sie wäre meine Mama und du wärst meine Musiklehrerin.“ Ich: Schluck. „Aber ich würde dich sehr vermissen!“ Er: „Du könntest ja auf mich aufpassen.“ Ich nahm es nicht persönlich.Trotzdem.
Und neulich holte ich ihn vom Kindergarten ab und die Erzieherin erzählte, sie hätte I. beim Essen ermahnt und später hätte er zu seinem Freund gesagt: „Wenn ich mal ein Schießgewehr habe, schieße ich die Erzieherin tot.“ Da war ich ääääh… platt und wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Ich habe mir das Gefühl gut gemerkt, für später im Beruf, wenn ich Eltern oft solche Berichte erstatten werde müssen. Ich will nicht vergessen, wie man sich da als Elternteil fühlt.
Ja, nicht nur Theater und Tütüs, auch Schießgewehre, Pistolen, Schwerter und Kämpfe sind zur Zeit beliebte Themen und Spiele. Das finde ich vollkommen ok, aber ich habe versucht, ihm zu erklären,warum man nicht sagt und spielt, dass man jemanden totschießt.
Ich staune jeden Tag, wie groß mein Kleiner ist.
Es ist oft anstrengend, wie viel er diskutiert und argumentiert, aber ich finde es trotzdem gut. Die Regel „Nein heißt nein“ gilt bei mir für mich (um konsequent zu bleiben), nicht aber für ihn.Es ist meine Aufgabe,bei meinem Nein zu bleiben, wenn es mir wichtig ist, aber es ist nicht seine Aufgabe, mein „Nein“ widerspruchlos zu akzeptieren. Ich finde gut, wenn er nach Argumenten sucht, um mich zu überzeugen, auch wenn es oft nervt. (Und hin und wieder kommt auch ein „Okeeey.“ oder „Na gut“ oder „Menno“ ohne argumentieren.)
Manchmal überzeugt er mich tatsächlich, z.B. mit: „In Kakao ist auch Wasser und Wasser ist gesund“.
Mit dem „allerbesten Freund“ überzeugt er mich natürlich nicht, aber ich höre es insgeheim gerne, es ist so süß, wie er dabei ausdrucksstark die Augen aufreißt. Oder: „Meine Hose/ meine Füße… wollen einfach nicht!“ (Achselzucken, hochgezogene Augenbrauen) Auch beliebtes Argument, sehr leidend vorgetragen, sogar mit geschlossenen Augen und schwacher Stimme: „Aber ich brauche frische Luft!“
Fast 4 Jahre ist ein tolles Alter.

Willi Wiberg

I. und ich lieben Willi Wiberg.
Willi Wiberg ist ein kleiner Junge, der in Schweden mit seinem Papa lebt und 1972 von Gunilla Begström erfunden wurde. Seitdem hat sie 23 Willi Wiberg-Bücher veröffentlicht, zuletzt 2011. In Deutschland erscheint Willi Wiberg im Oetinger Verlag.
Willi lebt, wie gesagt, mit seinem allein erziehenden Papa zusammen. Er hat eine Puppe namens Lisa. In diesen Alltagsgeschichten werden keine Rollenklischees bedient!
Mein Lieblingsband ist „Mehr Monster, Willi Wiberg!“ In dieser Geschichte darf Willi (zu dem Zeitpunkt 7 Jahre alt), den kleinen Benni babysitten.
Willi ist stolz und freut sich. Er malt sich aus, wie er Benni vorlesen wird, ihn füttern und ins Bett bringen wird. Er wird ein guter Babysitter sein! Aber es kommt anders. Benni kann schon alles alleine machen und lässt sich nicht helfen. Lesen zumindest kann der Kleine noch nicht. Also darf Willi vorlesen. Aber auf dem Schoß will Benni nicht sitzen und er verschmäht Willis liebevoll ausgesuchte Bücher vom kleinen Küken und der kleinen Maus. Stattdessen will er eine schreckliche Gruselgeschichte. Willi erfüllt ihm diesen Wunsch und erfindet ein schauriges Monster, das er detailliert beschreibt. Das findet Benni toll, rückt aber immer näher an Willi heran und zittert. Willi beruhigt ihn und bringt ihn ins Bett. Da will Benni doch noch die Geschichte vom Küken hören und auf den Schoß. Und Willi ist glücklich, „denn er ist jetzt der Babysitter,der er sein wollte
Dieses Ende finde ich so schön. Und ich liebe an dem Buch, dass es einerseits sehr spannend ein gefährliches Monster mit sieben Messern beschreibt, andererseits die Fürsorglichkeit von Willi und seinen Wunsch, ein guter Babysitter zu sein. So spricht das Buch zwei wichtige Pole in Kindern an – gefährlich sein und zärtlich sein. Und es zeigt, dass sich auch Jungen gerne und gut um kleinere Kinder kümmern und Babysitter werden können!
Zudem ist mit der Figur des kleinen Benni sehr treffend ein „störrischer“ 2-3-Jähriger beschrieben.

Zur Zeit haben wir, „Mach schnell, Willi Wiberg“ ausgeliehen, und lachen uns bei jedem Lesen schlapp. In dieser Geshichte ist Willi noch 5 Jahre alt und trödelt morgens beim Anziehen. Immer wenn sein Papa ihn ruft, sagt er „Ja,ich muss nur noch…“. Dann muss er der Puppe ihr Kleid anziehen, ein Auto reparieren, oder… Sein Papa ruft immer wütender. Die Situation kennen wir sehr gut, I. genießt die Identifikation mit Willi. Und als Willi dann schließlich angezogen ist, kommt Papa nicht. Er muss „nur noch die Zeitung zu Ende lesen“. Dann schimpft Willi mit Papa und beide lachen. Auch diese Situation kennt I. sehr gut. :) Er genießt die Geschichte sehr und mir macht das Vorlesen viel Spaß, wegen der häufigen wörtlichen Rede: „Ich muss nur noch…“ „Komm endlich!!!“ Überhaupt lese ich Willi Wiberg äußerst gerne vor. Die Sprache gefällt mir sehr, sie ist einfach und klar, aber besonders. Viel authentische wörtliche Rede. Auch die Illustrationen sind toll.
Aus den Büchern spricht warmherziger Humor und viel Verständnis. In den ersten Bänden ist Willi ein Kindergartenkind – will nicht schlafen gehen,trödelt morgens. Er hat einen unsichtbaren Freund, den sein Papa lieb mit einbezieht, dann aber irgendwann genervt ist.
Willi baut mit Papas Werkzeugkasten einen Hubschrauber, während Papa nicht aufpasst. Er wird bei Oma von seinen großen Cousins ausgeschlossen.
In den späteren Bänden ist Willi ein Schulkind. Er hat Angst vor dem ersten Schultag. Er wird von den anderen Jungen ausgelacht, weil seine beste Freundin ein Mädchen ist, ist traurig, lässt Milla links liegen, aber pfeift schließlich auf die Meinung der anderen.
In der wunderbaren Geschichte „Willi und das Ungeheuer“ hat Willi einen kleineren Jungen geschlagen, weil er dachte, dieser hätte seinen Ball geklaut. Ihn plagen Schuldgefühle, er sieht den Jungen tagelang nicht mehr im Hof und hat Angst, der Junge könnte gestorben sein. Eindrucksvoll schildert Bergström, wie Willi sich quält, bis er endlich den Jungen trifft. Es stellt sich heraus, dass der Kleine Willi gemieden hat, weil er Angst hatte, Willi sei sauer auf ihn. Willi sagt, dass er ja selbst schuld ist, dass sein Ball weg war und der Kleine ist erleichtert. Er bewundert Willi ja. Und Willi ist erleichtert. Ich fand es interessant, dass ich beim ersten Vorlesen sehr irritiert war, dass Willi sich nicht entschuldigt. Ich glaube, diese Lesererwartung kommt von gewöhnlicheren Bilderbüchern zu solchen Themen. Ich war so irritiert, dass ich zu I. sagte: „Ich finde, Willi hätte sich entschuldigen müssen“. Und dann merkte ich, dass es nicht stimmt. Und dass der nicht „korrekte“ aber verlegene und befreiende Dialog der zwei Jungen sehr realistisch und richtig war und dass der Kleine keine Entschuldigung mehr brauchte.
Es geht in den Bänden also oft um Themen, die Kinder belasten. Darum, dass man auch Fehler macht und manchmal schuldig ist. Und was man dann tun kann. Willi ist nicht perfekt (wie zB Conni). Und das finde ich sehr förderlich für das Selbstwertgefühl der LeserInnen, die sich mit Willi identifizieren. Denn sie lieben Willi und Willi ist kein perfekter Junge. Er hat sogar ein kleines Kind geschlagen, einfach so. Willi war gemein, die LeserInnen lehnen sein Verhalten ab. Aber Willi ist natürlich trotzdem liebenswert, er ist Willi Wiberg. Das ist eine sehr wichtige Botschaft.
Im Band „Hör zu, was ich erzähle, Willi Wiberg“ von 2003 ist Willi noch älter. Er ist fasziniert von Computerspielen und Filmen, in denen geschossen wird. Der Vater seines Freundes Hamdi war Soldat in einem echten Krieg. Spannend! Der Vater will nicht vom Krieg erzählen, aber eines Tages erzählt er doch. Nicht viel, eigentlich fast nur von einer Ameise. Aber Willi und Hamdi verstehen, dass echter Krieg ernst ist. Als er fertig erzählt hat, hören sie, wie im Hof jemand das Fußballtor kaputt macht, dass sie mit Hamdis Vater gebaut haben. Und er geht mit ihnen direkt nach unten, um es wieder aufzubauen.
Eine sehr berührende Geschichte ohne erhobenen Zeigefinger.
Ich mag sehr, dass es auch darum geht, …wie Willi versucht, den richtigen Moment abzupassen, um Hamdis Vater zu fragen und wie dieser reagiert …dass Hamdi hofft, sein Vater würde eher was erzählen, wenn Willi fragt …dass ein Mensch nicht alles erzählen will und kann …dass man manchmal eine Erzählung nicht versteht und doch irgendwie versteht.
Eigentlich ist I. zu klein für diesen Band. Wir haben ihn einfach ausgeliehen,weil wir ihn noch nicht kannten. Aber er hat sehr aufmerksam zugehört, wollte zu Ende lesen und wir haben darüber gesprochen. Es war ein gutes Gespräch.

Die Bände, in denen Willi ein Kindergartenkind ist, würde ich ab etwa knapp 3 Jahren empfehlen. Die anderen ab etwa 3,5-4 Jahren.
Willi Wiberg, das sind Alltagsgeschichten mit Tiefgang und viel Verständnis für die kindliche Gefühlswelt.
Gut geschrieben und gut illustriert. Es macht Spaß, sie vorzulesen.
Morgen werde ich I. fragen, warum er Willi mag und den Post um seine Rezension ergänzen.

Warum ich Renz-Polsters Buch lesen werde

Ich habe es immer noch nicht geschafft, so einen Besucher-Zähler zu installieren, aber ich vermute, gestern und heute fanden besonders viele Besucher den Weg hierhin. Warum ich das glaube? Wegen Herr Renz-Polsters neuem Blog.

Als ich eben bei Facebook (http://www.facebook.com/pages/Wundert%C3%BCtentag/438552029559747) in meiner Startseite darauf stieß und den Blog anklickte, traute ich meinen Augen kaum: Herr Renz-Polster bezog sich in seinem neuesten Post auf meinen Post „Warum Renz-Polster so langsam nervt“ .

Das ist der Link zu meinem Post: http://puddingteilchenn.blogsport.de/2013/07/22/warum-mich-renz-polster-so-langsam-nervt/
Und hier ist der Link zum gleichnamigen Post von Herr Renz-Polster: http://blog.kinder-verstehen.de/?p=25

Mich ärgert, dass Herr Renz-Polster und einige seiner Kommentatoren offensichtlich meinen Post nicht aufmerksam gelesen haben. Ich schrieb ausdrücklich keine Buchkritik. Ich bezog mich auf ein Interview mit ihm in Eltern Family und zitierte daraus: „Jeder weiß, dass er die Triumphe seiner Kindheit solchen ‚freien‘ Augenblicken verdankt, die er allein oder mit anderen Kindern erlebt hat. Wir wären doch nicht auf Bäume geklettert, wenn Mama darunter gestanden hätte! Gerade die selbst organisierten Abenteuer haben unser Kinderleben ausgemacht und uns vorangebracht.“

Ich bezog mich in erster Linie auf dieses Zitat, das mir viel zu verallgemeinernd erscheint.
Ich schrieb: „Ich bin in letzter Zeit in Zeitschriften und im Internet oft auf Dr. Renz-Polster,seine Thesen und das von ihm unterstützte ARTgerecht-Projekt gestoßen. Erst einmal fand ich seine Aussagen super und grundsätzlich finde ich sie immer noch super. Trotzdem war ich heute nur noch genervt als ich schon wieder über sein Bullerbü-Idealbild (Nach der Schule strolchen die Kinder in Gruppen und Banden in der Natur frei herum) las.“
Und: „Warum mich Renz-Polster trotz ‚einwandfreier‘ Einstellung nervt? Zum Beispiel weil seine Bullerbü-Forderung, so wie ich sie aufgefasst habe, auch Druck machen kann.“ Ich betonte extra meine persönliche Auffassung seiner Aussage in der Eltern Family.
Nicht zuletzt schrieb ich am Ende ausdrücklich, dass ich sein Buch noch nicht gelesen habe und es noch nicht erschienen ist: „P.S. Übrigens kommt im Herbst wohl ein neues Buch von Renz-Polster raus: „Wie Kinder heute wachsen – Natur als Entwicklungsraum“, das er mit dem Hirnforscher Gerald Hüther geschrieben hat.

Und trotzdem bin ich nachdenklich geworden. Auch wenn ich nicht über ein Buch, das ich nicht gelesen habe, schrieb, so muss ich mir doch an die eigene Nase packen. Ich kann auch verstehen, warum Herr Renz-Polster meinen Post wohl nicht mehr aufmerksam gelesen hat, nachdem er den Titel „Warum mich Renz-Polster so langsam nervt“ gelesen hatte.
Ich meinte das Interview und immer wiederkehrende Zitate in meiner Startseite. Seine Bücher habe ich nicht gelesen. Und ich denke, es war nicht fair, ihn anhand dieses Interviews zu bewerten. Ich habe nicht so getan, als hätte ich seine Bücher gelesen, das nicht. Aber wenn ich ein Buch geschrieben hätte, in dem ich meine Sicht auf Erziehung detailliert darlege (vielleicht bin ich ja mal in der Situation ;) ) und dann liest jemand nur ein Interview mit mir, in dem ich mich verallgemeinernd ausdrücke und ein paar Zitate aus dem Internet und schreibt daraufhin den Post: „Warum mich Wundertütentag so langsam nervt“
Dann wäre ich verletzt.
Renz-Polster schreibt, dass er eh ein dickes Fell hat und das ich ja ansonsten nett mit ihm umgehe. Aber: Ich hätte es sicher nicht so ausgedrückt, wenn ich gewusst hätte, dass er es liest, muss ich gestehen. Ich habe an irgendeinen Experten gedacht, der in letzter Zeit immer wieder zitiert wird. Aber nicht an den Menschen dahinter. Das ist im Internetzeitalter eine wichtige Lektion.
Und wie ich an dieser Stelle verallgemeinere, ist tatsächlich nicht ok: „Das ist jetzt ein Extrembeispiel, aber ich finde Renz-Polster bedient da immer ein romantisches Ideal-Bild, das weder der Individualität von Kindern gerecht wird, noch individuellen Umständen.
Schließlich kann ich noch nicht wissen, ob er es immer bedient.

Und deshalb: Auch wenn ich mich über das unaufmerksame Lesen und die daraus resultierende Unterstellung einer Buchbesprechung ärgere und meine Kritik an dem einen Interview-Zitat auch so meine…

…Lieber Herr Renz-Polster, ich möchte mich bei Ihnen für die oben zitierte Verallgemeinerung („bedient IMMER das Idealbild“) und den Post-Titel entschuldigen. Ich bin gespannt auf Ihren Blog und auf Ihre Bücher. Ich werde sie lesen und mir ein Bild darüber machen, ob sich meine Kritik an der zitierten Interview-Aussage verallgemeinern lässt, oder ob Sie in Ihren Büchern auch gerne zuhause spielende und leidenschaftlich Kurse besuchende Kinder erwähnen. Wenn ich das alte und das neue Buch gelesen habe, werde ich hier wirklich eine Buchbesprechung schreiben. :)

Verschieden

Oft erzählen/ schreiben Eltern über sich und ihr Kind: „Wir lieben grün.“ „Wir lieben das Meer“ „Wir lieben Vanilleeis“ „Wir lieben Pippi Langstrumpf“ und so weiter.
Ich will das auf keinen Fall abwerten oder ins Lächerliche ziehen. Ich sage so etwas auch und alles oben Genannte trifft auf I. und mich durchaus zu.
Aber wenn ich immer wieder solche „Wir“ – Äußerungen höre oder lese, frage ich mich doch: „Haben hier Mutter/ Vater und Kind wirklich immer den gleichen Geschmack? Wie kann das denn sein?“ Bei Babys und 1-2-jährigen kann ich mir das noch eher vorstellen, als bei Kindergartenkindern.
Und manchmal frage ich ich, ob dem Kind auch ein eigener Geschmack zugestanden wird. Das will ich aber niemandem unterstellen, nur weil er/ sie „Wir lieben Chucks“ oder so postet!! – das wäre ein Unding. Für mich ist dieser Satzanfang nur ein Gedankenanstoß, um über ein Thema zu schreiben, das ich wichtig finde:
Dass Eltern und Kinder ( in dem einen Fall mehr, in dem anderen weniger) unterschiedliche Temperamente und Vorlieben haben. Und selbst wenn sie sich in vielem ähneln, doch von Anfang an individuelle Persönlichkeiten sind.

I. und ich haben viele Gemeinsamkeiten.
Wir lieben beide Theater, Bücher und Filme.
Wir genießen es, zusammen ins Theater zu gehen. Ich langweile mich im Kindertheater nie, weil ich auch in Kindergeschichten eintauchen kann und es mich auch aus beruflicher Sicht interessiert. Unsere Begeisterung für Theater und gute Geschichten ist etwas kostbares Gemeinsames und ich hoffe, dass I. noch als Jugendlicher und Erwachsener gerne mit seiner Mama ins Theater und ins Kino gehen wird und wir uns über unsere Lese-Eindrücke austauschen werden.
Letzte Woche waren wir im Figurentheater „Der Räuber Hotzenplotz“, nachdem wir das Buch gelesen und den Film geguckt haben. I. war so glücklich aufgeregt, dass er mich während der Vorstellung 4 mal einen Kuss gegeben hat, worüber wiederum ich glücklich aufgeregt war, weil I. meistens nicht so viel kuscheln will (mehr dazu gleich).
Wir stehen beide gerne auf der Bühne (I. hat regelmäßig mit dem Kindergarten Vorstellungen), spielen gerne Rollenspiele und mit den Kasperlepuppen.
Aber wir haben auch oft einen unterschiedlichen Geschmack: I. mag zum Beispiel die Stücke vom Figurentheater Köln von Andreas Blaschke sehr. Wir haben „Petterson und Findus“, „Der Grüffelo“ und „Der Räuber Hotzenplotz“ gesehen, besonders von letzteren schwärmt I. immer wieder. Ich hingegen fand alle drei Stücke eher lieblos und mit so unlustigen Witzen für die Erwachsenen versehen.

Wir singen, malen und basteln beide sehr gerne. Wir sind beide hochsensibel (im Sinne der Art der Wahrnehmung und der Reizschwelle http://www.hsperson.com/) und zugleich gesellig – wir verabreden uns gerne mit Freunden und unternehmen gerne Neues.
Wir mögen beide Schmuck und Glitzer.

So weit so ähnlich.

I. kann stundenlang Autos und Lego spielen, das finde ich langweilig, ebenso wie seine geliebten Sachbücher und Sach-CDs über Dinos, Werkzeuge und Flugzeuge.
Sein Papa schreibt gerade seine Masterarbeit und ich habe I. erklärt, was das ist: „Stell dir vor, du interessierst dich so sehr für ein Thema, dass du darüber ein kleines Buch schreiben willst. Worüber würdest du schreiben?“ I, wie aus der Pistole geschossen: „Über Bohrer!“
(Und nein, das alles liegt nicht daran, dass er ein Junge ist und ich ein Mädchen war.)

I. kann in seinem Spiel und in seinen Gedanken so sehr versinken, dass er nicht mehr ansprechbar ist, wie sein Papa.
Ich vergesse zwar oft beim Lesen in der Bahn an der richtigen Haltestelle aus zu steigen, aber ansprechbar bin ich eigentlich immer. Mich nervt diese Nichtansprechbarkeit der Beiden oft sehr und doch beneide ich sie irgendwie darum.

Ich würde am liebsten immer über alles reden. I. nicht. „Ich habe keine Lust zu erzählen.“ „Erzähl ich nicht. Das ist ein Geheimnis.“ „Ich höre nichts, ich habe den Mund voll.“
Ich habe gelernt, ihn weniger auszufragen, mehr darauf zu vertrauen, dass er schon erzählen wird, was ihm wichtig ist und auch von mir zu erzählen. Als Kind konnte ich mit meinen Eltern über vieles nicht reden und mir ist in der Erziehung am wichtigsten, dass I. mit mir offen reden kann. Ich habe aber gemerkt, dass das Pendel bei mir zu sehr ins andere Extrem umgeschlagen hatte. I. hatte gar nicht das Bedürfnis nach mehr Reden, sondern nach mehr Ruhe.
Es ist gut, dass ich das rechtzeitig festgestellt habe, denn seitdem erzählt er mehr von sich aus. Und er kommt von sich aus öfter kuscheln oder gibt mir einen Kuss, seitdem ich mir angewöhnt habe, immer erst zu fragen, ob er eine Umarmung will, kuscheln will, einen Kuss will. (Und ein „Nein“ nicht mit einem „Ok, schade“ kommentiere, sondern mit einem „ok“!)
Ich war ein viel anhänglicheres Kind, als I. es ist und ich bin so ein „Körperkontakt“-Mensch. Ich weiß gerade nicht, wie ich das gut benennen soll, aber zum Beispiel unter Grundschullehrerinnen und Erziehern gibt es den Typ, der gerne zulässt, dass die Kinder kuscheln kommen und traurige Kinder auch durch eine Umarmung/ Streicheln des Kopfes, Rückens oder Armes tröstet und den Typ, der das nicht mag und nicht will. Beides ist ok, solange es nicht aufdringlich oder abweisend/ kalt wird. Wir werden im Lehramtsstudium ermutigt, die Sache mit dem Körperkontakt (im Primarbereich!) unserem Typ entsprechend zu handhaben.
Nun, ich bin ganz eindeutig der erste Typ. Und ich glaube, I. wäre als Lehrer der zweite Typ.
Es ist wichtig, dass ich das nicht vergesse!

Ich sterbe für Sushi. I. nicht.
I. dippt mit Genuss Würstchen in Honig. Ich nicht.

Ich mag Kleidung mit besonderen Motiven und liebevollen Details. Kinderkleidung mag ich bunt, kindgerecht, individuell. Viele dieser Kleidungsstücke gefallen I. auch, aber neuerdings bevorzugt er manchmal schlichtere Kleidung, oft Shirts mit Cars-Aufdruck u.s.w.
Ich habe im Internet ein gebrauchtes, selbstgenähtes Shirt aus einem bunten Stoff mit so kleinen flauschigen, süßen Monstern für ihn ergattert, von dem ich annahm, dass es ihm gefallen würde. I. findet, es sieht aus wie ein Schlafanzug und er zieht es nicht an.
Letztens waren wir zusammen in einem Geschäft und I. durfte sich ein Kleidungsstück aussuchen. Er suchte sich ein Shirt mit zwei sehr gefährlich aussehenden grünen Tyrannosauren (Ist das der Plural??) aus. Ihre Zähne waren weiß, mit so einem anderen Material „dreidimensional“ aufgedruckt.
Ich fand die Dinos hässlich, aber das war vollkommen egal. Er entwickelt seinen eigenen Geschmack und das ist super! Ich habe mir vorgenommen, ihn ab der nächsten Kleidergröße seine Kleidung komplett selbst aussuchen zu lassen. Solange sie nicht teuer und wetteruntauglich ist. Aber ob graues Poloshirt oder Spiderman-Pulli ist nicht mein Bier. Das wird ehrlich gesagt erst einmal nicht leicht für mich sein, weil ich eine große Schwäche für schöne Kinderkleidung habe.
Aber da muss ich durch.
Ich werde mich selbst ja weiterhin mit Schmetterlingen, Vögelchen, Pünktchen und Sternen einkleiden, soviel ich will.
Und ich werde mich ab und an über die Gelegenheit freuen, einen süßen Strampler für ein Baby auszusuchen.
Aber es ist toll, dass I. groß wird und bin gespannt auf seinen Geschmack.

Mama, du warst ein Mädchenzweikind!

Eben beim Abendessen:

„Mama, du warst mal ein Mädchenbaby. Und dann warst du ein Mädchenkleinkind. Dann ein Mädchenzweikind, dann ein Mädchendreikind und dann ein Mädchenvierkind. Und dann dauerte es noch eeeeewig bis du eine Frau warst.“

Ich konnte nicht anders, ich musste einfach ein schlechtes Vorbild sein, beim Essen aufstehen und Papier und Stift holen.
Dann:

„Als du ein Mädchen warst, war ich ein Junge, oder?“

Ich antwortete, dass er da noch gar nicht auf der Welt war.

– „Warum nicht?“

Daraus wurde dann unser erstes richtiges „Aufklärungsgespräch“. Die Gespräche mit I. werden immer interessanter.

Und jetzt höre ich aus seinem Zimmer (er sollte eigentlich schlafen): „Ich werde mal ein gefährlicher Bär mit sooooolchen Krallen! …. Das ist doch Ehrenwort….. Wie hießen die Kinder? die hießen Palikali. Sie hatten ein Abenteuer .Sie bogen ab, da war ein Aufzug…“

Ich müsste ihm echt mit Aufnahmegerät hinterher laufen.