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Verschieden

Oft erzählen/ schreiben Eltern über sich und ihr Kind: „Wir lieben grün.“ „Wir lieben das Meer“ „Wir lieben Vanilleeis“ „Wir lieben Pippi Langstrumpf“ und so weiter.
Ich will das auf keinen Fall abwerten oder ins Lächerliche ziehen. Ich sage so etwas auch und alles oben Genannte trifft auf I. und mich durchaus zu.
Aber wenn ich immer wieder solche „Wir“ – Äußerungen höre oder lese, frage ich mich doch: „Haben hier Mutter/ Vater und Kind wirklich immer den gleichen Geschmack? Wie kann das denn sein?“ Bei Babys und 1-2-jährigen kann ich mir das noch eher vorstellen, als bei Kindergartenkindern.
Und manchmal frage ich ich, ob dem Kind auch ein eigener Geschmack zugestanden wird. Das will ich aber niemandem unterstellen, nur weil er/ sie „Wir lieben Chucks“ oder so postet!! – das wäre ein Unding. Für mich ist dieser Satzanfang nur ein Gedankenanstoß, um über ein Thema zu schreiben, das ich wichtig finde:
Dass Eltern und Kinder ( in dem einen Fall mehr, in dem anderen weniger) unterschiedliche Temperamente und Vorlieben haben. Und selbst wenn sie sich in vielem ähneln, doch von Anfang an individuelle Persönlichkeiten sind.

I. und ich haben viele Gemeinsamkeiten.
Wir lieben beide Theater, Bücher und Filme.
Wir genießen es, zusammen ins Theater zu gehen. Ich langweile mich im Kindertheater nie, weil ich auch in Kindergeschichten eintauchen kann und es mich auch aus beruflicher Sicht interessiert. Unsere Begeisterung für Theater und gute Geschichten ist etwas kostbares Gemeinsames und ich hoffe, dass I. noch als Jugendlicher und Erwachsener gerne mit seiner Mama ins Theater und ins Kino gehen wird und wir uns über unsere Lese-Eindrücke austauschen werden.
Letzte Woche waren wir im Figurentheater „Der Räuber Hotzenplotz“, nachdem wir das Buch gelesen und den Film geguckt haben. I. war so glücklich aufgeregt, dass er mich während der Vorstellung 4 mal einen Kuss gegeben hat, worüber wiederum ich glücklich aufgeregt war, weil I. meistens nicht so viel kuscheln will (mehr dazu gleich).
Wir stehen beide gerne auf der Bühne (I. hat regelmäßig mit dem Kindergarten Vorstellungen), spielen gerne Rollenspiele und mit den Kasperlepuppen.
Aber wir haben auch oft einen unterschiedlichen Geschmack: I. mag zum Beispiel die Stücke vom Figurentheater Köln von Andreas Blaschke sehr. Wir haben „Petterson und Findus“, „Der Grüffelo“ und „Der Räuber Hotzenplotz“ gesehen, besonders von letzteren schwärmt I. immer wieder. Ich hingegen fand alle drei Stücke eher lieblos und mit so unlustigen Witzen für die Erwachsenen versehen.

Wir singen, malen und basteln beide sehr gerne. Wir sind beide hochsensibel (im Sinne der Art der Wahrnehmung und der Reizschwelle http://www.hsperson.com/) und zugleich gesellig – wir verabreden uns gerne mit Freunden und unternehmen gerne Neues.
Wir mögen beide Schmuck und Glitzer.

So weit so ähnlich.

I. kann stundenlang Autos und Lego spielen, das finde ich langweilig, ebenso wie seine geliebten Sachbücher und Sach-CDs über Dinos, Werkzeuge und Flugzeuge.
Sein Papa schreibt gerade seine Masterarbeit und ich habe I. erklärt, was das ist: „Stell dir vor, du interessierst dich so sehr für ein Thema, dass du darüber ein kleines Buch schreiben willst. Worüber würdest du schreiben?“ I, wie aus der Pistole geschossen: „Über Bohrer!“
(Und nein, das alles liegt nicht daran, dass er ein Junge ist und ich ein Mädchen war.)

I. kann in seinem Spiel und in seinen Gedanken so sehr versinken, dass er nicht mehr ansprechbar ist, wie sein Papa.
Ich vergesse zwar oft beim Lesen in der Bahn an der richtigen Haltestelle aus zu steigen, aber ansprechbar bin ich eigentlich immer. Mich nervt diese Nichtansprechbarkeit der Beiden oft sehr und doch beneide ich sie irgendwie darum.

Ich würde am liebsten immer über alles reden. I. nicht. „Ich habe keine Lust zu erzählen.“ „Erzähl ich nicht. Das ist ein Geheimnis.“ „Ich höre nichts, ich habe den Mund voll.“
Ich habe gelernt, ihn weniger auszufragen, mehr darauf zu vertrauen, dass er schon erzählen wird, was ihm wichtig ist und auch von mir zu erzählen. Als Kind konnte ich mit meinen Eltern über vieles nicht reden und mir ist in der Erziehung am wichtigsten, dass I. mit mir offen reden kann. Ich habe aber gemerkt, dass das Pendel bei mir zu sehr ins andere Extrem umgeschlagen hatte. I. hatte gar nicht das Bedürfnis nach mehr Reden, sondern nach mehr Ruhe.
Es ist gut, dass ich das rechtzeitig festgestellt habe, denn seitdem erzählt er mehr von sich aus. Und er kommt von sich aus öfter kuscheln oder gibt mir einen Kuss, seitdem ich mir angewöhnt habe, immer erst zu fragen, ob er eine Umarmung will, kuscheln will, einen Kuss will. (Und ein „Nein“ nicht mit einem „Ok, schade“ kommentiere, sondern mit einem „ok“!)
Ich war ein viel anhänglicheres Kind, als I. es ist und ich bin so ein „Körperkontakt“-Mensch. Ich weiß gerade nicht, wie ich das gut benennen soll, aber zum Beispiel unter Grundschullehrerinnen und Erziehern gibt es den Typ, der gerne zulässt, dass die Kinder kuscheln kommen und traurige Kinder auch durch eine Umarmung/ Streicheln des Kopfes, Rückens oder Armes tröstet und den Typ, der das nicht mag und nicht will. Beides ist ok, solange es nicht aufdringlich oder abweisend/ kalt wird. Wir werden im Lehramtsstudium ermutigt, die Sache mit dem Körperkontakt (im Primarbereich!) unserem Typ entsprechend zu handhaben.
Nun, ich bin ganz eindeutig der erste Typ. Und ich glaube, I. wäre als Lehrer der zweite Typ.
Es ist wichtig, dass ich das nicht vergesse!

Ich sterbe für Sushi. I. nicht.
I. dippt mit Genuss Würstchen in Honig. Ich nicht.

Ich mag Kleidung mit besonderen Motiven und liebevollen Details. Kinderkleidung mag ich bunt, kindgerecht, individuell. Viele dieser Kleidungsstücke gefallen I. auch, aber neuerdings bevorzugt er manchmal schlichtere Kleidung, oft Shirts mit Cars-Aufdruck u.s.w.
Ich habe im Internet ein gebrauchtes, selbstgenähtes Shirt aus einem bunten Stoff mit so kleinen flauschigen, süßen Monstern für ihn ergattert, von dem ich annahm, dass es ihm gefallen würde. I. findet, es sieht aus wie ein Schlafanzug und er zieht es nicht an.
Letztens waren wir zusammen in einem Geschäft und I. durfte sich ein Kleidungsstück aussuchen. Er suchte sich ein Shirt mit zwei sehr gefährlich aussehenden grünen Tyrannosauren (Ist das der Plural??) aus. Ihre Zähne waren weiß, mit so einem anderen Material „dreidimensional“ aufgedruckt.
Ich fand die Dinos hässlich, aber das war vollkommen egal. Er entwickelt seinen eigenen Geschmack und das ist super! Ich habe mir vorgenommen, ihn ab der nächsten Kleidergröße seine Kleidung komplett selbst aussuchen zu lassen. Solange sie nicht teuer und wetteruntauglich ist. Aber ob graues Poloshirt oder Spiderman-Pulli ist nicht mein Bier. Das wird ehrlich gesagt erst einmal nicht leicht für mich sein, weil ich eine große Schwäche für schöne Kinderkleidung habe.
Aber da muss ich durch.
Ich werde mich selbst ja weiterhin mit Schmetterlingen, Vögelchen, Pünktchen und Sternen einkleiden, soviel ich will.
Und ich werde mich ab und an über die Gelegenheit freuen, einen süßen Strampler für ein Baby auszusuchen.
Aber es ist toll, dass I. groß wird und bin gespannt auf seinen Geschmack.

Meckis Puppentheater im Walzwerk Pulheim

Wir waren heute mit dem Kind in einem verzauberten Theater. Im winzigen Theaterfoyer hing ein großer Baum aus Samtstoffen, Kinderbücher lagen zum Mitnehmen aus. Unter einer Hochetage, auf dem sich Requisiten türmten, gab es Tische und eine Spielecke. Von der alten Dame hinter der Theke bekamen wir Eintrittsmurmeln. Am Eingang zum Theatersaal ließ das Kind diese in eine Murmelbahn rollen. Statt Eintrittskarten abreißen.

Das Theaterstück ‚Lenchens perfektes Weihnachtsfest‘ war genauso zauberhaft wie das Theater. Es war genaugenommen das mit Abstand beste Puppentheaterstück, das ich bisher gesehen habe. Leider ist unser neues Lieblingspuppentheater in Pulheim. In Köln haben wir so etwas nicht. Gute Puppentheater wie ‚Puppentheater Papiermond‘ sind mobile Theater. Und das ‚Blaue Haus‘ in der Südstadt ist gut, entbehrt aber jeglichen Zaubers.

Wenn ich hier nicht den Link hätte, würde ich mich fragen, ob wir dieses kleine Theater nächstes Mal wiederfinden würden. Vielleicht würde in der Rommerskirchener die Nummer 22 auf die Nummer 20 folgen. Und niemand hätte was von einer alten Dame mit Eintrittsmurmeln gehört.

http://www.claus-plus.de/theater/Kinder.html“>